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< 23. Berufsinfobörse Sömmerda
19.04.18

Fliesenleger - "Wandwerker"

Wie der Vater, so der Sohn? Jein. Denn Franz (23) aus Jena hatte sich nach der Schule für eine kaufmännische Ausbildung entschieden. „Immer drin am Schreibtisch, das hat mir aber nach kurzer Zeit schon nicht mehr gefallen. Mein Vater, der selbst Fliesenlegermeister ist, hat mir dann vorgeschlagen, es im Baugewerbe zu versuchen. Eigentlich war ich handwerklich gar nicht so begabt, aber irgendwie hat es dann doch gepasst.“ Und zwar so gut, dass Franz inzwischen nicht nur die Lehre als Fliesenleger im Betrieb seines Vaters beendet hat, sondern aufgrund sehr guter Leistungen auch schon eine Förderung für die Meisterausbildung bekam.


Ausbildung, Thüringen, Fliesenleger, Jena

Foto: ©whitestorm stock.adobe.com, privat

Die Arbeit der Fliesenleger besteht, wie der Name vermuten lässt, aus dem Verlegen von Fliesen, aber auch von Platten und Mosaiken. „Wir verkleiden damit Wände, Böden und Fassaden. Das kann ein kleines Bad, ein Labor, aber auch ein ganzes Schwimmbad sein – das hängt vom Unternehmen ab. Bei uns sind es in der Regel kleinere Aufträge. Mal auf einer Baustelle im Neubau oder in der Sanierung, oft aber bei den Kunden zuhause, wenn sie renovieren.“

Zu den Aufgaben eines Fliesenlegers gehört aber nicht nur das reine Handwerk. „Meist beginnt die Arbeit mit dem Kundengespräch. Ich schaue mir den Raum an, der gefliest werden soll, höre mir an, was der Kunde wünscht, berate ihn und erstelle dann einen Entwurf.“ Ein Bereich, in dem neben Fachwissen auch viel Kreativität gefragt ist. „Es gibt so eine große Auswahl an Material und Techniken und oft haben die Kunden nur grobe Vorstellungen, sodass ich Vorschläge mache, wie es am besten aussehen könnte. Dank eines digitalen Planungsprogramms kann ich dem Kunden auch schon virtuell zeigen, wie es aussehen wird.“ Ist alles geklärt, bestellt Franz das Material, bringt es zum Kunden und richtet dort die Baustelle ein.

„Wenn noch alte Fliesen vorhanden sind, gehört auch der Abriss zu meinen Aufgaben. Dann geht’s weiter mit dem Vorbereiten der Untergründe. Schon hier muss ich sehr genau arbeiten, denn es soll später ja nicht alles wieder von der Wand fallen. Nach den Vorarbeiten werden die Fliesen angebracht und schließlich noch die Fugen aufgefüllt. Das Schöne daran ist, dass man etwas erschafft, dass andere Menschen glücklich macht. Ich finde, Fliesenleger erfüllen Wohnträume und nichts ist motivierender als ein Kunde, der meine Arbeit lobt. Auch ist jeder Auftrag neu und es wird nie langweilig."

Die Fliesenlegerausbildung ist dreigeteilt: „Es wird regelmäßig zwischen Berufsschule, Betrieb und überbetrieblichen Lehrgängen gewechselt. In der Berufsschule geht es neben Materialkunde viel um Mathe. „Man muss wirklich sehr viel rechnen. Insgesamt ist der Stoff aber gut machbar, wenn man immer dranbleibt.“ Die Praxis startet mit einer Grundausbildung in allen Bauberufen, wie Mauerwerksbau, Stahlbetonbau und Holzbau. Das ist später hilfreich, weil man bei den Kunden dann auch kleinere andere Arbeitenschnell selbst übernehmen kann. Außerdem finde ich es für mich privat auch ziemlich cool, zuhause viel allein machen zu können.“ Die praktische Ausbildung steigert sich vom Zugucken und Helfen bis zum selbstständigen Ar beiten. Mit mehr Erfahrung kann man auch eine eigene Baustelle haben. 

Das Vorurteil, dass Fliesenleger ein anstrengender Beruf ist, kann Franz zumindest teilweise entkräften: „Natürlich muss man körperlich fit sein, aber das Material ist heute nicht mehr so schwer wie früher und wenn man sich an gewissen Regeln hält, wie nur aus den Knien zu heben, und ein bisschen Sport als Ausgleich macht, ist das kein Problem. Die größere Herausforderung in der Lehre für mich war, mich nicht von den Zeitvorgaben stressen zu lassen. Aber auch das kommt mit der Zeit. Ich möchte jedenfalls auch weiter als Fliesenleger arbeiten, bald meinen Meister fertig machen und irgendwann den Betrieb meines Vaters übernehmen.“ (mü)