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01.04.14

Fleischereifachverkäufer - Darfs auch etwas mehr sein?

Das ist doch die klassische Frage an der Fleischtheke. Es ist aber auch gar nicht so einfach, eine Wurst aufs Gramm genau aufzuschneiden; klappt zumeist nur in der Werbung. Auch wenn die Profis am Wurstmesser da schon ziemlich nah rankommen. Hier macht tatsächlich die Übung den Meister, oder besser: die gute Fleischereifachverkäuferin, oder noch genauer: die gute Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Fleischerei, so heißt es nämlich richtig.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Eine, die das weiß, ist Maxi. Denn genau diesen Beruf lernt die 17-Jährige seit eineinhalb Jahren. „Ich wusste schon früh, dass ich beruflich gern im Handel arbeiten würde, wo genau, stand allerdings noch nicht fest.“ Maxi bewarb sich deshalb nach ihrem Schulabschluss für verschiedene Verkaufsbereiche und entschied sich schließlich für die Ausbildung bei der Thüfleiwa Apolda AG. Der Hauptsitz ist zwar in Apolda, aber es gibt verschiedene Verkaufsstellen, unter anderem auch eine Filiale in Camburg, in der Maxi ihre dreijährige Lehre absolviert.
„In den ersten paar Wochen steht man erstmal mehr im Hintergrund, sieht zu und lernt die Abläufe und vor allem die Produkte kennen. In der Hauptsache geht es natürlich um den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren. Man hat im Alltag zwar selbst mit Fleisch zu tun und kennt ein bisschen was und weiß, wie ein Kotelett aussieht, aber bis man sich richtig auskennt, dem Kunden Fragen beantworten kann und auch mit der Theke zurecht kommt, dauert es schon eine Weile.“ Ganz wichtig dabei sei, keine Berührungsängste zu haben, weder bei der Ware, noch beim Kunden. „Ich kann mich nicht einfach hinter der Theke verstecken, wenn es mal schwieriger wird und ein Kunde vielleicht nicht zufrieden ist. Auch dann heißt es Nerven bewahren und freundlich bleiben.“ Für Maxi ist das eher eine Herausforderung als ein Problem. „Da Camburg nicht besonders groß ist, kennt man auch viele der Kunden mit der Zeit und weiß, mit wem man wie am besten redet. Zudem haben wir hier ja auch einen kleinen Imbiss. Da gehört sowieso noch ein bisschen mehr Service dazu. Man muss eben gern mit Menschen arbeiten, dann passt das.“
Auch die Ware selbst, vom rohen Fleisch bis zur Blutwurst ist für Maxi kein Problem. „Fleisch ist für mich ein Lebensmittel. Das zu verkaufen, ist sicher nicht für jeden was, aber ich mach es inzwischen richtig gern. Man darf auch nicht denken, dass wir hier selbst schlachten. Wir bekommen Fleisch und Wurst vom Fleischer fertig geliefert.“ Allerdings gehört für angehende Fleischereiverkäufer auch ein Besuch des Produktionsbetriebes zur Ausbildung. „Es ist wichtig, mal gesehen zu haben, wie das, was wir dann in der Theke haben, hergestellt wird.“ Ebenso muss Maxi sich auch mit den verschiedenen Zubereitungsarten auskennen. „Wir kochen hier für unseren Imbiss selbst – heute zum Beispiel Schaschlik – und dann gibt es auch für die Theke immer wieder etwas zuzubereiten, zu marinieren oder anzurichten. Das finde ich gut, denn ich muss die Kunden auch zur Zubereitung beraten können, und da ist es natürlich nicht schlecht, wenn man selbst ein Gulasch kochen oder ein Steak marinieren kann.“ Welches Fleisch woher stammt, wie es weiterverarbeitet werden kann, was man dabei beachten muss und wie man die Hygienerichtlinie einhält, lernt Maxi in der Berufsschule. An zwei Tagen in der Woche fährt sie dafür nach Erfurt.
„Wer mit Lebensmitteln arbeitet, gerade mit so leicht verderblichen wie wir, muss sich seiner Verantwortung bewusst sein.“ Ansonsten müsse man gut mit Zahlen umgehen können und ein Auge für Mengen haben. „Manchmal muss man auch noch ein bisschen kreativ werden, etwa, wenn es um das Belegen von Aufschnitt, Braten- und Buffetplatten geht.“ Eines von vielen verschiedenen
Gebieten, auf denen sich Maxi später weiterbilden kann. (mü)