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03.05.19

Flachglastechnologe - Eine Scheibe abschneiden

Wie der Vater, so der Sohn – genau so lief es bei Erik in Sachen Berufswahl. Und das hat einen wirklich großen Vorteil: Erik wusste genau, worauf er sich einlässt. Gerade bei Berufen, unter denen man sich auf den ersten Blick nicht so viel vorstellen kann, wie etwa beim Flachglastechnologen, kann das den Ausschlag geben. „Ich habe meinen Vater oft bei der Arbeit besucht und gesehen, was hinter diesem Beruf steckt. Ich habe so mit der Zeit gemerkt, dass ich das auch machen möchte und mich dann in derselben Firma, und zwar bei der Glas Keil GmbH aus Ilmenau, beworben.“


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Fotos: Manuela Müller

Seit gut eineinhalb Jahre ist Erik nun selbst ein Flachglastechnologe, oder besser: auf dem Weg, einer zu werden. Die Ausbildung in diesem Beruf dauert insgesamt drei Jahre. Da Erik in einer relativ kleinen Firma lernt, kennt er bereits alle Arbeitsbereiche und gehört schon fest zum Team der Produktion. Das heißt, er lernt zwar immer noch dazu, darf aber auch schon sehr selbstständig arbeiten. „Bei uns im Unternehmen wird Flachglas verarbeitet. Wir bekommen Glastafeln, meist in der Normgröße sechs mal drei Meter, und bringen sie für den jeweiligen Kunden auf die benötigte End‐Größe. Die Kunden sind zum Beispiel Möbelhersteller, die Glasteile in Schränken verbauen.“

Doch Glas ist nicht gleich Glas, deshalb muss Erik im Glaslager aufpassen, dass er für jeden Auftrag die richtigen Tafeln in der passenden Stärke raussucht. Schon eine Tafel wäre dann zu schwer und vor allem zu unhandlich, um sie einfach so durch die Halle zu tragen, deshalb kommt spezielle Transporttechnik zum Einsatz wie Sauger und Rollwagen. So geht es erstmal zur Schneidemaschine. Nur Einzel‐ oder Sonderanfertigungen werden noch per Hand geschnitten, alles andere maschinell. „Ich muss die Scheibe auflegen, die Maße eingeben und dann wird das Glas eingeritzt. So entstehen Sollbruchstellen. Da werden dann von Hand die Kanten abgebrochen. Bei den drei Millimeter dünnen Scheiben geht das relativ leicht, bei den dickeren braucht man dann schon eine Zange dazu. Und viel Gefühl, denn das Glas splittert oder bricht schnell.“

Sind die Scheiben auf die richtige Größe gebracht, müssen noch die scharfen Kanten geschliffen werden. Es gibt verschiedene Arten, zum Bespiel die C‐Kanten, Flach‐ und Trapezkanten, jeweils in matt und poliert. „Für jede Kantenart haben wir eine CNC‐Maschine.“ Hier muss Erik die Werkzeuge einbauen und wechseln, die Maschinen programmieren und bedienen. Dazu muss er wissen, wie die Maschinen funktionieren. Das lernt er nicht nur in der Praxis, sondern auch im SBZ in Ilmenau. Hier gibt’s die Theorie zur Glasherstellung, zu den Glaseigenschaften, zu Glasverarbeitung und ‐veredelung, außerdem Fachmathe, Fachzeichnen und Automatisierungstechnik. „Je nach Unternehmen gehört auch das Beschichten und Bedrucken, das Verkleben zu Verbundglas oder auch das Biegen der Glasscheiben zur Arbeit der Flachglastechnologen, deshalb lerne ich das in der Theorie auch alles. Zudem gibt es im SBSZ eine Lehrwerkstatt, in der die handwerklichen Grundfertigkeiten geübt werden.“

Erik ist in der Praxis zurzeit viel am Klebetisch. Hier werden die Glasscheiben mit Folie beklebt, damit sie nicht in tausend Teile zerfallen, wenn sie brechen.“ Dafür, dass überall Glas steht, geht übrigens nur selten was kaputt. „Man muss aufpassen, dass man nirgendwo aneckt, aber das lernt man sehr schnell. Das ist auch besser, weil es wirklich gefährlich werden kann, wenn eine Scheibe bricht. Es ist wichtig, immer bei der Sache zu sein und den Arbeitsschutz einzuhalten.“

Nach seiner Ausbildung kann sich Erik noch weiterbilden, zum Techniker zum Beispiel. „Aber darüber habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich habe viel Spaß bei der Arbeit und möchte erstmal in diesem Beruf arbeiten und vielleicht noch den Stapler‐ und den Kranschein machen, die braucht man für die Arbeit im Lager.“ (mü)