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26.09.18

Feuerwehrmann! Brandmeister (m/w)

Feuerwehrmann steht bei vielen kleinen Jungs auf der Will­-ich-­mal-­werden-­Liste ganz weit oben – bei Jörn war das allerdings nicht so. Zwar war er schon als Schüler bei der Freiwilligen Feuerwehr, beruflich entschied er sich nach dem Abi aber für eine ganz andere Richtung: „Ich habe Mediengestalter gelernt und dann auch zwölf Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Ich bin aber die ganze Zeit auch weiter bei der Freiwilligen Feuerwehr geblieben und hatte Freunde bei der Berufsfeuerwehr: Mit der Zeit hatte ich dann das Gefühl, es wäre für mich auch beruflich die bessere Wahl. Also habe ich im vergangenen Jahr die letzte Chance genutzt – man darf zu Beginn der Ausbildung maximal 31 Jahre alt sein – und mich im öffentlichen Dienst bei der Stadt Jena beworben.


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Foto: Manuela Müller

Wer zur Berufsfeuerwehr möchte, muss, bis auf vereinzelte Ausnahmen, vorher schon einen Beruf gelernt haben. Dieser Beruf sollte möglichst entweder ein rettungsdienstlicher- oder ein handwerklicher beziehungsweise technischer sein. Als Mediengestalter hatte Jörn da erstmal nicht so gute Karten, konnte aber durch seine langjährige Erfahrung als Freiwilliger trotzdem überzeugen und bekam schließlich die Ausbildungsstelle im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst der Berufsfeuerwehr Jena.

„Am Anfang stehen erstmal sechs Monate Grundausbildung. Das ist überwiegend Theorie. Da geht es darum, wie die Rechtslage ist, wie die Feuerwehr funktioniert, was es für Einsatz­- und Feuerwehrdienstvorschriften gibt, welche Fahrzeuge und Geräte man benutzt, was alles zur Ausrüstung und Uniform gehört. Dazu kommen Baukunde und Vorbeugen von Gefahren. Außerdem sind Fächer wie Physik und Chemie sehr wichtig. Ich muss mich zum Beispiel mit Flaschenzügen und Hebelwirkungen auskennen und auch wissen, welche Stoffe miteinander reagieren oder etwa nicht mit Wasser in Berührung kommen dürfen.“

Nach dem ersten halben Jahr geht’s mit in die Praxis. „Dazu gehört die Ausbildung zum Rettungssanitäter – die Feuerwehr ist nämlich nicht nur für Brände und Co. zuständig, sondern auch für den Hilfs­- und Rettungsdienst, letzterer ist in der Regel nämlich noch vor dem Notarzt beim Patienten. „Außerdem lernt man neben den Wachabteilungen und der Arbeit auf dem Löschfahrzeug auch die verschiedenen Innendienstbereiche kennen: die Leitstelle, den vorbeugenden Brandschutz, die Technik und auch den Bereich Ausbildung.“

Das ist nicht nur theoretisch ganz schön viel, vor allem, da die Ausbildung nur zwei Jahre dauert. „Ich habe natürlich viele Vorteile, weil ich mich schon auskenne, trotzdem muss ich mich immer wieder hinsetzen und lernen. Aber mit ein bisschen Motivation ist das zu schaffen. Auch für meine Kollegen, die vorher noch keine Erfahrungen hatten.“

Und Motivation gehört zur Grundausstattung eines Feuerwehrmannes. Es ist kein Beruf wie jeder andere. Jörn und seine Kollegen tragen viel Verantwortung – für das Leben derer, die Hilfe brauchen, für das der Kollegen und natürlich auch für das eigene. Ein Feuerwehrmann muss deshalb nicht nur genau wissen, was er zu tun hat, sondern auch körperlich fit sein. Ein Sporttest und eine Tauglichkeitsuntersuchung beim Amtsarzt gehören zu den Einstellungskriterien. „Das ist wirklich wichtig. Ich muss in der Lage sein, die schweren Geräte zu tragen oder auch einen schweren Menschen ohne Hilfsmittel aus einer Gefahrenzone bringen können.“ Und schließlich muss ein Feuerwehrmann geistig immer bei der Sache sein. „Man kann niemanden bei einem Einsatz gebrauchen, der gerade an die Probleme zuhause denkt oder irgendwie anders abgelenkt ist. Das kann für alle Beteiligten lebensgefährlich sein. Man darf sich aber auch nicht zu viele Gedanken darüber machen. Bei einem Einsatz weiß man nie, was einen erwartet – selbst wenn man schon viel Erfahrung hat. Oft passt das, was man vorfindet, auch nicht zum gemeldeten Notruf und man ist immer aufgeregt. Jörn hat bei der Arbeit keine Angst, aber Respekt. Der bleibt einfach und das ist auch gut so. „Manchmal denkt man dann im Nachhinein schon: Mann, das hätte auch anders ausgehen können, aber am Ende weiß auch ein Taxifahrer nicht, ob er nach seiner Schicht wieder nach Hause kommt. Und anders, als viele denken, haben wir hier auch nicht einen Großeinsatz nach dem anderen. Oft sind es beispielsweise rettungsdienstliche Einsätze, Krankentransporte oder Absicherung von Veranstaltungen.“ Egal, ob großer oder kleiner Einsatz, was Jörn nie weiß, ist, wann es los geht. „Natürlich gibt es Zeiten, in denen man schon Notrufe erwartet, wie bei Unwetterwarnungen. Aber selbst dann weiß er nicht, wann genau es los geht. Deshalb gibt es bei der Feuerwehr etwas andere Dienstpläne.

„Wir sind immer 24 Stunden im Dienst und haben dann einen Tag frei, dreimal hintereinander. Dann gibt es vier Tage frei.“ Mit Dienstbeginn muss Jörn auf der Wache sein. Natürlich gibt es nicht immer genau dann einen Einsatz. Wir sitzen dann aber nicht rum und warten, sondern arbeiten unseren Rahmendienstplan ab, indem wir uns zum Beispiel um die Ausrüstung kümmern, die Fahrzeuge pflegen oder an unserer körperlichen Fitness arbeiten.“ Das Gelände verlassen darf Jörn in dieser Zeit nur, wenn er zum Sport in die Turnhalle oder die Schwimmhalle fährt. „Da fährt dann die Einsatzgruppe geschlossen mit kompletter Ausrüstung im Fahrzeug hin, damit wir bei Bedarf gleich von dort aus zum Einsatz starten können.“

Wenn in der Wache ein Notruf einen Einsatz auslöst, ertönt ein Gong und auf dem Alarmmonitor steht, welche Einheit ausrückt. Die Einheiten bestehen jeweils aus Teams, den sogenannten Trupps, bei denen es einen Truppführer und einen Truppmann gibt. „Zu Beginn der Ausbildung ist man zunächst als dritter Mann dabei, bevor man Truppmann wird. Wenn meine Einheit dran ist, lassen wir alles stehen und liegen und rutschen, wie im Film, die Stange runter – oder nehmen die Treppe runter in die Umkleide.“ Über die Tagesdienstkleidung, die Jörn auf der Wache schon trägt, kommt dann die Brandschutzkleidung. Die besteht aus dicker Jacke, dicker Hose, Stiefeln, Helm und Handschuhen. Damit geht’s dann ab aufs Fahrzeug. „Das Ganze sollte nicht länger als zwei Minuten dauern und braucht gerade am Anfang schon etwas Übung. Auf der Fahrt informiert uns der Einsatzgruppenleiter dann über die Einzelheiten. Bei einem Brand zum Beispiel legen wir dann auch schon die komplette Ausrüstung mit Flammschutzhaube, Atemschutzmaske und Atemschutzgerät an, sodass wir gleich los können, wenn wir vor Ort ankommen.“ Der Einsatzgruppenführer behält den Überblick und koordiniert die Aufgaben mit anderen Einsatzgruppen, außerdem gibt es Standardeinsatzregeln, die regeln, wer was zu tun hat. Der Maschinist zum Beispiel fährt das Fahrzeug und bedient die Geräte wie Drehleiter und Pumpe. „Ist der Brand gelöscht, gibt’s noch die Restablöschung, wir schauen nach Glutnestern und packen die Ausrüstung wieder zusammen. Zurück auf der Wache werden das Fahrzeug dann wieder einsatzbereit gemacht, die Wassertanks und das Verbrauchsmaterial aufgefüllt und alles wieder an seinen Platz geräumt. Außerdem wird noch ein ausführlicher Einsatzbericht geschrieben.“

Dass ein Feuerwehrmann bei seiner Arbeit immer wieder mit Schwerverletzten und auch toten Personen zu tun hat, ist etwas, worüber man sich vorher Gedanken machen sollte, findet Jörn. „Wir haben in der Ausbildung dazu auch Unterrichtseinheiten mit einem Notfallseelsorger, aber es muss einem klar sein, dass man es auch mit sehr schwierigen Situationen zu tun haben wird. Egal, wie erfahren man ist, bestimmte Bilder kriegt man nicht mehr aus dem Kopf. Mir hilft es, darüber zu reden. Vieles vergisst man aber auch schnell wieder. Und außerdem gibt es auch so viele positive Dinge, Einsätze, die gut gelaufen sind, Menschen, denen man helfen konnte, und wenn am Ende alle wieder wohlbehalten auf der Wache zurück sind, daran hält man sich dann.“

Zur Zeit ist Jörn im Innendienst in der Leitstelle. „Hier nehmen wir die Anrufe entgegen, dokumentieren die Meldungen und alarmieren die Einheiten. Es sind aber nicht alles Notrufe. Uns rufen zum Beispiel auch Ärzte und Krankenhäuser an, wenn ein Patient, der nicht allein oder mit dem Taxi fahren kann, transportiert werden muss.“

Wichtig bei der Arbeit sei vor allem, gut auf die Menschen eingehen zu können. „Wir müssen so viele Informationen so schnell wie möglich bekommen, und das von Menschen, die gerade sehr aufgeregt sind. Da muss man nicht nur gut zuhören, sondern auch beruhigen können. Natürlich gibt es auch die, die eigentlich kein Notfall sind, aber auch die werden ernst genommen. Man versucht dann eben, sie diplomatisch darauf hinzuweisen, dass der Gang zum Notzahnarzt oder zum kassenärztlichen Notdienst reicht und sie keinen Rettungswagen brauchen.“

Am Telefon spielt sie zwar keine Rolle, im Einsatz ist sie aber immer dabei: die Uniform. Sie hat in erster Linie natürlich eine Schutzfunktion. „Aber sie ist auch ein Zeichen für die Menschen, die sich in einer Notlage befinden. Sie zeigt, dass Hilfe da ist. Die meisten sind einfach dankbar, wenn sie uns sehen“ Mit Attacken gegen Einsatzkräfte hat Jörn noch keine Erfahrungen gemacht. „Klar gibt es immer mal einen, der nicht verstehen will, warum wir die Straße gerade jetzt sperren, aber damit kommt man klar. Durch die Uniform wird man in der Regel auch noch ein bisschen ernster genommen. Und auch für uns untereinander hat sie einen Wert. Sie zeigt Verbundenheit. Wir sind als Einheit unterwegs! Überhaupt ist die Kameradschaft das, was mir an diesem Beruf mit am besten gefällt. Wir müssen uns aufeinander verlassen können, hocken im Dienst 24 Stunden am Stück zusammen, da muss man sich verstehen. Wir alle sind ein Team, vom Chef bis zum Azubi, ab dem ersten Tag gehört man dazu!“

Für Jörn geht es bald zum dreimonatigem Abschlusslehrgang, der mit der Laufbahnprüfung endet. „Ich möchte dann erstmal als Feuerwehrmann arbeiten, sicher hat man noch Möglichkeiten, sich zu spezialisieren oder weiterzuqualifizieren. Da habe ich aber noch keine genauen Vorstellungen.“ (mü)