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27.03.19

Feinoptiker - Andere Sphären

Was einem auf einer Berufsmesse so ins Auge fällt – ein noch ganz unbekannter Beruf zum Beispiel. „Am Stand von asphericon habe ich zum ersten Mal vom Feinoptiker gehört und fand es gleich interessant, auch die Arbeit mit dem Werkstoff Glas habe ich mir spannend vorgestellt“, erzählt der 19‐jährige Tom. Er sah sich das Ganze dann bei einem Praktikum in der Produktionsabteilung des Unternehmens nochmal genauer an. „Das hat mir auch richtig gut gefallen und ich habe mich für die Ausbildung hier entschieden.“ Inzwischen ist er Feinoptiker im dritten Ausbildungsjahr.


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Foto: Manuela Müller

Bei asphericon werden in vollautomatischen Produktionslinien feinoptische Linsen zum Beispiel für Hochleistungslaser in der Medizin und optische Diagnosegeräte hergestellt. Außerdem wird eine der Linsen demnächst mit einem ESA‐Projekt ins All fliegen. „Wir fertigen neben den normalen sphärischen auch asphärische Linsen, die haben eine spezielle Oberflächenform und die lässt sich nur mit computergesteuerten Fertigungsmaschinen realisieren.“ Ein handwerklicher Beruf bleibt der Feinoptiker dennoch. Das macht sich auch in Toms Ausbildung bemerkbar. „In den ersten zwei Jahren bekam ich im überbetrieblichen Ausbildungszentrum JBZ die handwerklichen Grundfertigkeiten beigebracht. Auch ich kann eine Linse von Hand schleifen und polieren. Das zu beherrschen ist wichtig, um die Arbeitsweise der Maschinen zu verstehen.“

Mit Beginn des dritten Lehrjahres ist Tom zur praktischen Ausbildung ins Unternehmen gewechselt. „Wir haben hier zwar auch noch einen kleinen Bereich, wo konventionell gefertigt wird, der Hauptteil läuft aber im Maschinenpark. Wir bekommen Rohteile, die sogenannten Presslinge, die werden dann zunächst grob auf einen Radius geschliffen, zentriert und zu einer Sphäre oder Asphäre feingeschliffen, poliert und beschichtet. Je nachdem, wie die zweite Seite der Linse werden soll, wiederholen sich die Arbeitsschritte, oder die Rückseite wird plan poliert.“ Tom wird den kompletten Produktionsdurchlauf mitmachen, also jeden Fertigungsbereich kennenlernen. Zurzeit ist er in der Beschichtung, genauer beim Bedampfen. „Dabei werden Linsen mit zwei Stoffen beschichtet. Auch das geht zum Beispiel gar nicht von Hand, dazu braucht man richtig große Maschinen, die haben hier sogar einen eigenen Raum.“ Damit Tom weiß, was er an welcher Maschine zu tun hat, bekommt er zunächst immer eine Einweisung durch einen Facharbeiter. „Dann übe ich einzelne kleine Tätigkeiten, bis ich darin Routine habe. Wenn alles läuft, kann ich selbst ein neues Projekt starten und die Maschine einrichten, bestücken und fahren. Für jeden Auftrag gibt es einen Arbeitsplan mit genauen Anweisungen und Zeichnungen. Trotzdem muss ich sehr genau aufpassen: Ein falsches Werkzeug in der Maschine und ich fahre einen Crash. Außerdem ist Glas ein empfindlicher Werkstoff. Wenn ich einen der Behälter mit Linsen fallen lasse, wird das richtig teuer.“

Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten werden die Linsen immer wieder kontrolliert. Dafür gibt eine eigene Abteilung, auch die lernt Tom während der Ausbildung kennen. „Das ist wichtig, denn auch ich muss die Linsen prüfen können. Beim Beschichten jetzt zum Beispiel. Das funktioniert nur dann richtig, wenn kein Staubkorn mehr auf den Linsen ist. Jede Linse wird deshalb einzeln noch einmal kontrolliert und nachgewischt. Da braucht man neben einer ruhigen Hand auch ein gutes Auge. Und auch beim Schleifen muss man regelmäßig überprüfen, ob die vorgegebenen Maße stimmen, und wenn nicht, die Maschine neu einstellen, damit die Schleifwerkzeuge wieder genau arbeiten. Die sind teilweise mit echten Diamanten bestückt und auch richtig teuer, wie die gesamten Maschinen. Das Arbeiten mit dieser modernen Technik verlangt viel Verantwortung, macht aber auch richtig Spaß. Je nach Produktionsbereich ist man mal Einzelkämpfer und allein für mehrere Maschinen verantwortlich, oder man arbeitet doch eher im Team. Wie jetzt in der Beschichtung. Da braucht man immer mal Unterstützung von einem Kollegen. Wohl gefühlt habe ich mich bis jetzt überall und ich bin froh, dass ich diesen Beruf gefunden habe. Ich möchte das auf jeden Fall auch in Zukunft weiter machen. Zum Glück sind die Übernahmechancen sehr gut.“(mü)