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02.09.13

Fahrzeuglackierer - Lack doch mal

Krrrzt. Schneller als du gucken kannst, ist es passiert: Beim Ausparken nicht an den Zaun gedacht und schon schmückt ein Kratzer dein kleines Auto. Was nun? Vielleicht mit Edding übermalen? Oder Nagellack drüber pinseln? Oder besser doch mal schnell Stefanie besuchen. Die ist als Fahrzeuglackiererin bei Kalas Karosserie & Lackservice in Erfurt schließlich eine echte Fachfrau, was das „Kratzerverschwindenlassen“ angeht.


Foto: Kalas

Stefanie ist 24 Jahre alt und hat gerade ihre Lehre zur Fahrzeuglackiererin abgeschlossen: „Das war schon immer mein Traumberuf, auch wenn es im ersten Anlauf leider nicht geklappt hat und ich erstmal eine Malerlehre gemacht habe. Die Richtung stimmte da zwar, aber das Richtige war es noch nicht. Die Arbeit hier einfach viel abwechslungsreicher. Jeder Lack, jedes Auto und jeder Kratzer sind anders.“


Apropos, wie kriegt man die denn nun wieder weg? „Erstmal gucke ich mir den Schaden genau an, stelle fest, wie tief er ist und welche Bereiche betroffen sind. Dazu suche ich mir dann die passenden Materialien und Arbeitsgeräte. Da gibt es für jeden Untergrund, wie etwa Kunststoff oder Metall, eigene.“ Bevor es an die eigentliche Schadstelle geht, werden noch die angrenzenden Bereiche abgeklebt. Dann wird geschliffen, nach Bedarf gespachtelt und gefüllert, getrocknet und immer wieder gereinigt und geschliffen, bis die Oberfläche wieder perfekt glatt ist. Wer hier nicht genau arbeitet, bereut das anschließend in der Lackierkabine. Denn dort wird jede Unebenheit, jede Ecke oder Schleifkante sofort wieder sichtbar und man muss noch einmal von vorn anfangen. Geht alles glatt, wird mit der Farbpistole dann endlich
der Lack aufgetragen, und zwar nicht nur auf den ehemaligen Kratzer, sondern auf das gesamte Karosserieteil. Uni-, Effekt- oder Metalliclack – von der Farbauswahl ganz zu schweigen – damit es am Ende ein einheitliches Lackbild gibt, muss man sich genau an den Farbcode des jeweiligen Fahrzeugs halten. Mithilfe eines Computerprogrammes werden die Farben dann entsprechend gemischt. Meist gibt es erst einen Basislack und danach einen Klarlack. „Das Lackieren ist natürlich der Teil, der am meisten Spaß macht“, sagt Stefanie. „Es sieht einfach schön aus, vor allem, wenn die Farben anfangen zu glänzen und zu glitzern, da bin ich dann einfach ein richtiges Mädchen und freue mich beim abschließenden Polieren über das Gefunkel.“


Dass sie dabei eigentlich nur männliche Kollegen hat, stört sie überhaupt nicht. „Man muss sich schon behaupten können und darf nicht so empfindlich sein, gerade weil man sich bei der Arbeit auch schmutzig macht oder körperlich richtig gefordert ist.“ Etwa, wenn man den ganzen Tag auf den Beinen ist, in Kabinen, die sich beim Trocknen bis zu 70 Grad aufheizen, zu tun hat, oder stundenlang in einer sehr unbequemen Körperhaltung arbeiten muss. Deshalb gehört zum Beispiel in der Berufsschule – die einzige für Fahrzeuglackierer in Thüringen steht in Eisenach – auch Kraftsport zum Unterricht. Aber auch der Kopf ist dort ordentlich gefordert. Man lernt alles über die verschiedenen Untergründe und Bearbeitungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem gehört zum Beruf des Fahrzeuglackierers zum Beispiel auch das Bekleben, Anbringen von Werbung oder Tuning.“ Als Fahrzeuglackierer muss man zudem auch mal einen Scheinwerfer ein- und ausbauen oder eine Delle ausbeulen können. Das ist alles schon sehr umfangreich.“ Vor allem in der Praxis darf man dabei den Arbeitsschutz nicht vergessen. Atemmasken und Schutzkleidung beispielsweise sind bei Farbnebel und Schleifstaub Pflicht. Trotzdem macht sich Stefanie über ihre Gesundheit Gedanken. „Das hier ist mein absoluter Traumjob und in dem möchte ich natürlich auch erstmal arbeiten, mich noch verbessern und den Techniker oder Meister machen, aber dass ich für den Rest meines Lebens in der Lackierkabine stehen werde, glaube ich nicht.“ (mü)