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14.10.13

Fachkraft im Gastgewerbe - Zügig serviert

„Sehr geehrte Fahrgäste, auf Gleis neun fährt ein der ICE“ … mit Melanie an Bord. Und zwar täglich. Nicht, weil Melanie vergessen hat, auszusteigen, sondern weil sie beruflich „im Zug“ ist. Als angehende Fachkraft im Gastgewerbe bei der Deutschen Bahn ist die 19-Jährige seit über einem Jahr unterwegs auf dem Schienennetz der Bundesrepublik und sorgt dafür, dass den Fahrgästen unterwegs nicht der Magen knurrt oder die Cola ausgeht.


Foto: Deutsche Bahn

Berlin Ostbahnhof, kurz vor sechs Uhr morgens. Arbeitsbeginn für Melanie. Sie trifft sich mit ihren Kollegen in der Meldestelle für das Zugpersonal und bekommt dort den Einsatzplan für den Tag. „Ich weiß meist schon vorher, wohin ich fahre, nur nicht, mit welchem Team.“ Zu so einem Team gehören in der Regel drei Personen: ein Zugchef, ein Bordrestaurantleiter und ein Steward. Heute geht es für Melanie und ihre Kollegen auf eine Tagestour nach Köln und zurück, also zweimal quer durch Deutschland. Der Zug steht schon bereit. Einsteigen darf aber erstmal nur das Personal. „Als erstes schauen wir nach, ob in Restaurant, Bistro und Küche alles sauber und in Ordnung ist. Dann nehmen wir die Speisen und Getränke für die Fahrt entgegen. Da im Zug nicht gekocht, sondern nur erwärmt werden darf, bekommen wir das meiste nämlich fertig geliefert. Nur Salate und kleine Snacks stellen wir selbst her.“ Das ist zum Beispiel Melanies Aufgabe, wenn sie für die Küche eingeteilt ist. „Dabei hat man kaum Kontakt zum Gast. Deshalb bin ich lieber im Bistro, wo ich Speisen und Getränke über eine Theke ausgebe und die Standkasse betreue oder im Bordrestaurant, um die Fahrgäste zu bedienen, Bestellungen aufzunehmen, zu servieren und zu kassieren. Allerdings ist das auch nicht immer leicht, wenn beispielsweise ein Fahrgast wegen einer Verspätung verärgert ist oder findet, dass der Kaffee zu viel kostet.“ Melanie darf die Launen verärgerter Fahrgäste nicht persönlich nehmen. Zur Ausbildung gehört auch ein Seminar zur sozialen Methodenkompetenz. „Da lerne ich, wie ich mich in angespannten Situationen richtig verhalte und auch, wie man gut im Team arbeitet.“ Ein gewisses Maß an Kommunikationsfähigkeit und Freude im Umgang mit Menschen müsse man für diesen Beruf einfach mitbringen. Ansonsten sei Englisch sehr wichtig. „Alle anderen Sprachen sind zwar manchmal sehr nützlich, aber nicht notwendig.


Im Gegensatz zu den Grundrechenarten. Beim Bedienen und Abkassieren muss man das Rückgeld auch mal fix im Kopf ausrechnen, selbst wenn gerade richtig Stress ist und es alle eilig haben. Aber da fuchst man sich mit der Zeit rein.“ Das, was die sonstigen Grundlagen des Gastgewerbes betrifft, lernt Melanie in der Berufsschule. „Ich brauche nicht alles, was ich dort lerne, für meine Arbeit bei der Bahn. Ein Bordrestaurant unterscheidet sich schon ein bisschen von einem normalen Restaurant. Aber auch wenn ich hier keinen Fisch filetieren oder eine große Tafel decken muss, zumindest für die Prüfung sollte ich auch das beherrschen. Außerdem könnte ich als Fachkraft im Gastgewerbe so später auch aufs ’Festland’ wechseln und zum Beispiel in einem Hotel arbeiten.“ Geplant sei das aber erstmal nicht. Melanie wird bei der Bahn bleiben. Sie möchte ihre Ausbildung um ein Jahr verlängern und den Abschluss als Fachfrau für Systemgastronomie anschließen.


„Ich wollte immer einen Beruf, bei dem ich nicht nur am Schreibtisch sitze, sondern viel mit anderen Menschen zu tun habe. Das passt hier perfekt, auch wenn es zum Teil sehr anstrengend ist. Bei längeren Touren dauert mein Arbeitstag zehn bis elf Stunden oder ich fahre Übernachtungstouren und komme gar nicht nach Hause.“ Melanie bekommt dabei selten mehr zu sehen als Züge, Bahnhöfe und Hotels. „Das stört mich aber nicht, genauso wenig, wie die Aussicht, später auch nachts und am Wochenende arbeiten zu müssen. Das gehört bei der Bahn eben dazu.“ Jetzt aber erstmal alles einsteigen bitte, die Türen schließen automatisch. Vorsicht bei der Abfahrt! (mü)