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16.06.20

Fachkraft für Wasserversorgungstechnik

Wasser? Dafür muss man doch nur den Hahn aufdrehen, und schon läuft es. Ja, aber auch nur, wenn vorher jemand die entsprechenden Pumpen, Leitungen und Armaturen installiert hat, die das Wasser aus dem Boden zum Hahn bringen. Und das dann bitte auch in entsprechender Qualität. So gehört auch die Wasseraufbereitung zum Beruf einer Fachkraft für Wasserversorgungstechnik wie Benedict. Er ist nicht nur gelernte Fachkraft, sondern inzwischen auch schon Meister in seinem Beruf.


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Foto: andrey gonchar

„Ich war schon immer naturverbunden, Technik lag mir seit jeher und ich wollte gern einen praktischen Beruf“, erzählt Benedict. Seine Eltern brachten ihn dann auf die Wasserwirtschaft. Nach zwei Praktika beim Zweckverband im Ort war er überzeugt, dass das der richtige Beruf für ihn ist. „Man ahnt nicht, wie komplex das ist, was alles in diesem Beruf steckt.“

Als Fachkraft für Wasserversorgungstechnik kümmert sich Benedict um die Trinkwasserversorgung der Menschen einer ganzen Region. „Trinkwasser wird einfach zum Leben gebraucht. Aber es ist für uns hier so etwas Alltägliches, dass man kaum darüber nachdenkt beziehungsweise erst dann, wenn mal nichts aus dem Hahn kommt.“ Bis Wasser aber überhaupt in der Leitung ist, muss es erstmal aus dem Boden geholt und aufbereitet werden. „Wir analysieren die Wasservorkommen und Trinkwasserproben, bauen Brunnen, installieren Pumpen und fuhren das Wasser zu Anlagen, in denen wir es aufbereiten und speichern. Auch die dafür nötigen Leitungen und Anlagen verlegen, warten und reparieren wir. Genauso wie die Leitungen, die das Wasser zum Verbraucher fordern.“

Also quasi alles vom Brunnen bis zum Wasserhahn.
Sobald das Wasser in den Abfluss läuft, sind die Fachkräfte für Abwassertechnik dran. Mit denen gemeinsam wird die eineinhalbjährige, überbetriebliche Grundausbildung absolviert. Los geht’s dabei mit den handwerklichen Grundfertigkeiten der Metall- und Kunststoffbearbeitung sowie mit der Elektrotechnik. Dann kommen Rohrleitungsbau und Maschinen- und Anlagenführung. Gut ein Drittel macht außerdem die Laborarbeit wie Wasseranalysen und Experimente aus. „Man muss viel lernen. Bei mir war Elektrotechnik die größte Herausforderung. Ich dachte nicht, dass das so wichtig ist, aber wir arbeiten auch viel an Schaltschranken und müssen Steuerungen programmieren können. Die Ausbildung beinhaltet deshalb den Abschluss als Fachkraft für elektrotechnische Anlagen im Bereich Wasser. Da musste ich mich ein bisschen durchbeißen.“ Geklappt hat es dann aber mit dem Abschluss. Und zwar mit 1,0. Dafür erhielt Benedict ein Stipendium, welches er für seine Meisterausbildung nutzte.

„Als Meister habe ich nun auch mehr Planungsaufgaben und bin nicht mehr nur draußen im Rohrgraben unterwegs, wobei mir das immer noch am meisten Spaß macht
. Dieser Beruf ist unheimlich vielfaltig. Man hat die filigrane Laborarbeit genauso wie die körperliche Arbeit mit Spaten und Trennschleifer auf der Baustelle. Das wird nie langweilig. Auch, weil man immer mitdenken muss. Zum Beispiel, wenn man die Pläne für Rohrleitungen erstellt und die Höhenunterschiede miteinkalkuliert werden müssen. Oder wenn man auf der Suche nach dem Grund für eine Fehlermeldung ist.“ Schließlich trage man eine sehr große Verantwortung. „Wenn ich einen Fehler mache, kann es durchaus passieren, dass mehrere tausend Leute kein Wasser mehr haben.“ Stressresistent solle man daher schon sein. „Und fit – auch nachts, wenn man Bereitschaft hat und um zwei wegen eines Rohrbuchs los muss. Dabei trifft man nicht immer auf gutgelaunte Mitbürger – aber die meisten sind dann doch froh, wenn das Wasser wieder läuft. Das braucht schließlich jeder. Ich habe definitiv ein krisensicheren Beruf.“ (mü)