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12.01.18

Fachkraft für Lagerlogistik - Herr der Regale

Wer an Warenlager und den Beruf Fachkraft für Lagerlogistik denkt, hat oft nur die großen Versandhändler im Kopf, übersieht dabei aber, dass der „Lagerberuf“ schlechthin noch an ganz vielen anderen Stellen gefragt ist. So zum Beispiel auch in Produktionsbetrieben wie Garant am Erfurter Kreuz. Hier werden Türen und Zargen hergestellt. Und zwar in so großen Mengen, dass für Baustoffe und fertige Produkte ein 20.000 Quadratmeter großes Lager gebraucht wird. Einer, der täglich zwischen den unzähligen Regalfächern unterwegs ist, ist Azubi Tobias (18).


Ausbildung, Thüringen, Fachkraft für Lagerlogistik, Lagerlogistik, Garant, Arnstadt, Ichtershausen

Foto: Manuela Müller/WiYou.de

„Ich wusste nach der zehnten Klasse noch nicht genau, welcher Beruf zu mir passt. Ich habe mich für verschiedene beworben und mich für den Industriekaufmann entschieden. Doch ich habe schnell gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist und die Lehre abgebrochen.“ Um sich neu zu orientieren, nahm Tobias an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme teil. „Darüber habe ich ein Praktikum im Bereich Lagerwirtschaft hier bei Garant bekommen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich es bis zum Beginn des neuen Lehrjahres verlängert und dann im Anschluss die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik hier begonnen habe. Wer noch nie selbst in einem Warenlager stand, das wie bei uns hier mehrere tausend Quadratmeter groß ist, unterschätzt meist, wie anspruchsvoll und spannend die Arbeit ist.“ 

Tobias´ Hauptaufgaben sind Kommissionieren, Wareneingang, Warenausgang, Umlagerung und Lagerpflege. Weil er bei 20.000 Regalfächern und 100.000 eingelagerten Artikeln unmöglich ohne Hilfe den Überblick behalten kann, wird mit einem elektronischen Lagerverwaltungssystem gearbeitet. „Wenn ich wie heute kommissioniere, das heißt, Waren zusammensuche und auf Paletten für die Auslieferung fertigmache, gehe ich erstmal an den Terminal und hole mir den Auftrag für die jeweilige Tour. Dieser beinhaltet eine Liste, die mir genau sagt, was am Ende auf die Palette muss und wo ich es finde. Dann geht’s mit der Katze, so nennen wir hier das Kommissioniergerät, los in die langen Gänge des Lagers. Die Waren und die Fächer werden dabei immer einzeln gescannt, sodass das System immer alle Informationen bekommt und genau weiß, was aus welchem Fach entnommen wurde und wieviel noch drin ist.“

Wenn Tobias und sein Kollege alle Waren eines Auftrages eingesammelt haben, packen sie sie nach einem bestimmten System auf die Transportpaletten, „und zwar so, dass man keinen Platz verschenkt und nichts kaputtgeht.“ Dann wird nochmal kontrolliert, ob alles mit der Kommissonierungsliste übereinstimmt, die Palette in Folie gewickelt, für den Transport gesichert und dem elektronischen Leitsystem übergeben, welches die Paletten selbstständig zur Scanstation fährt. „Dort wird nochmal kontrolliert, ob alles stimmt, man erstellt die Versandetiketten und sorgt dafür, dass alles rechtzeitig an der richtigen Verladerampe ankommt."

Im Wareneingang ist es genau umgekehrt: Tobias bekommt eine Palette mit Waren und sorgt dafür, dass alles in den vom System vorgegebenen Fächern landet. „Wichtig ist, sich wirklich an die Vorgaben zu halten. Wenn ich etwas falsch ablege, finden das weder meine Kollegen noch ich wieder."

Zur Ausbildung der Fachkräfte für Lagerlogistik gehört auch der Besuch der Berufsschule. Man lernt die Prozesse und Hintergründe kennen und hat Fächer wie Lagerverwaltung, Kommissionieren, Transportwege und Datenverarbeitung. Tobias wird im dritten Lehrjahr auch noch die Bereiche Buchführung und Marketing kennenlernen. Das macht dann auch den Unterschied zur zweijährigen Ausbildung der Fachlageristen. „Damit könnte ich später noch mehr im Büro arbeiten und hätte mehr mit Planung und Organisation zu tun, aber ich möchte erstmal im Lager bleiben. Mir gefällt es, immer auf den Beinen zu sein, mit moderner Technik und meinen Kollegen zu arbeiten. Das Gesamtpaket in diesem Beruf passt einfach sehr gut zu mir.“ (mü)