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23.10.17

Fachangestellter Medien und Informationsdienst - Menschen mit Medien

Angestaubte Regale, tausende alte Bücher und streng schauendes Personal, das bei jedem Geräusch gleich drohend den Zeigefinger hebt? Wer beim Stichwort „Bibliothek“ dieses Bild im Kopf hat, war wohl schon länger in keiner mehr. Denn heute sieht es dort ganz anders aus. In der Kinder- und Jugendbibliothek in Erfurt zum Beispiel. Hier stehen natürlich auch noch Bücher, aber auch die allerneusten Konsolenspiele und eine ganze Technothek – und mucksmäuschenstill sind die Besucher nur, wenn sie gespannt einer Geschichte lauschen – vorgelesen von einem FaMi. Das klingt zwar selbst ein bisschen nach Märchenfabelwesen, ist aber die Kurzform für Fachangestellte Medien und Informationsdienst, dem Ausbildungsberuf von Jennifer und Jan.


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Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Jennifer und Jan lernen zwar beide den gleichen Beruf, haben aber auf unterschiedlichen Wegen zum ihm gefunden. Jennifer hatte schon als Kind viel Zeit in der Bibliothek verbracht. „Ich lese schon immer gern, mag die Atmosphäre dort und fand die Mitarbeiter immer sehr nett. Als es in der Schule dann mit den Praktika losging, dachte ich. `Wenn ich eh schon hier bin, warum dann nicht auch als Praktikantin?´ Das hat mir so gut gefallen, dass die Entscheidung für diesen Beruf schnell gefasst war.“ Für Jan hingegen standen die Bücher erstmal gar nicht so im Vordergrund. „Ich wollte schon immer was mit Menschen machen und eigentlich Polizist werden. Ich hatte aber noch eine Alternative gesucht und bin über die Ausbildung bei der Stadt Erfurt auf den FaMi gestoßen. Ich habe mich dann mehr damit beschäftigt und gemerkt, dass das eigentlich noch viel besser zu mir passt.“

Für ihre Ausbildungsstellen mussten sich Jennifer und Jan dann gegen eine Menge Mitbewerber durchsetzen. Beide durchliefen einen Auswahltest, ein Assessment Center und persönliche Vorstellungsgespräche, bevor sie die Zusage bekamen. Die Ausbildung im öffentlichen Dienst der Stadt Erfurt dauert insgesamt drei Jahre, Jennifer ist schon im zweiten, Jan noch im ersten Lehrjahr. „Wir haben in jedem Lehrjahr einen Schwerpunkt und werden dazu in einem bestimmten Bereich eingesetzt – in der Hauptbibliothek genauso wie in den Zweigstellen, zu denen auch die Kinder und Jugendbibliothek gehört.“

In einer Bibliothek gibt es viel mehr zu tun, als Bücher ins Regal zu stellen oder von Nutzern zurückzunehmen. „Natürlich arbeiten wir viel mit den Medien – aber das sind schon lange nicht mehr nur Bücher, sondern auch Hörbücher, Filme, Gesellschaftsspiele und Konsolenspiele“, erklärt Jan. Ganz klassische Aufgaben sind dabei Ausleihe, Rücknahme, Versenden, Pflegen, Ordnen und Verwalten von Medien, Archivieren von historischen Beständen und das Anlegen von Datenbanken. „Wir haben sowohl mit alten als auch mit den gerade erst erschienenen Medien zu tun, das allein macht schon viel Spaß und bringt jede Menge Abwechslung. Dazu kommen aber noch viele Aufgaben, die einen sozialen Aspekt haben. Die Kundenbetreuung und Beratung gehört da dazu. Genauso wie Lesungen und andere Veranstaltungen organisieren. Wir sind auch viel unterwegs, leiten Workshops, besuchen Schulen oder fahren mit dem Bibliotheksmobil zu denen, die nicht zu uns kommen können.“ Und dann gibt es noch die Bereiche in der Verwaltung. „Wir kümmern uns auch um Gebühren und Mahnungen und die Öffentlichkeitsarbeit: „Ich habe damals auch nicht gedacht, dass es so vielfältig ist, aber gerade die Abwechslung gefällt mir heute so gut. Man sitzt, man steht, man geht, jeder Tag ist anders,“ so Jan. Und auch Jennifer wird es nie langweilig. „Es gibt so viele spannende Sachen. Ich hatte zum Beispiel gerade eine Weiterbildung zum Thema Zauberei und Hexerei bei unserer Bibliothekspädagogin.“

Muss man eigentlich alle Bücher kennen, um hier zu arbeiten? „Nein, das kann keiner. Aber es ist schon wichtig, die Klassiker im Kopf zu haben und auch zu wissen, was gerade angesagt ist. Nur so kann man die Nutzer gut beraten,“ erklärt Jan. Wichtig sei bei der Arbeit in der Bibliothek zudem, gut mit Menschen umgehen zu können. „Man darf keine Angst vor Gesprächen mit Fremden haben und muss sich auf sein Gegenüber gut einstellen können, egal, ob es ein Grundschulkind, ein Jugendlicher oder auch eine ältere Dame ist, die vielleicht nicht mehr so gut hört.“

Neben der Ausbildung in der Praxis besuchen Jennifer und Jan regelmäßig die Berufsschule. „Die ist in Sondershausen und geht dann immer gleich mehrere Wochen am Stück. Der Stoff ist sehr umfassend, aber gut zu meistern.“ Damit die Auszubildenden auch praktisch die vielfältigen Bereiche dieses Berufes kennenlernen, absolvieren sie außerdem immer wieder kleinere Praktika außerhalb der Stammbibliothek. „Ich war zum Beispiel gerade im Archiv. Dort habe ich Urkunden übersetzt und Bildbeschreibungen verfasst. Dabei hat man dann weniger mit Menschen zu tun, aber es ist auch spannend, das mal alles zu sehen.“

Beide haben noch ein bisschen Zeit bis zum Ende der Ausbildung, wissen aber bereits, dass sie weiter in diesem Beruf arbeiten wollen. „Das macht richtig Spaß – die perfekte Mischung aus Menschen und Medien.“ (mü)