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13.02.17

Ergotherapeut - Heikes helfende Hände

Anziehtraining mit Schlaganfallpatienten, Korbflechten mit Suchtkranken, Singen mit Demenzkranken, Konzentrationsübungen mit hyperaktiven Kindern – viele verschiedene Einsatzgebiete für viele verschiedene Experten? Jein, denn all das sind Aufgaben für Ergotherapeuten, Experten sind sie dabei aber natürlich trotzdem, zumindest nach der dreijährigen Ausbildung, wie sie Heike an der Privaten Medizinischen Berufsfachschule Gotha absolviert.


Ausbildung, Thüringen, Gotha, GOBI, Ergotherapeut

Bild: Manuela Müller/WiYou.de

Heike steckt im letzten Drittel ihrer Ausbildung zur Ergotherapeutin. Zuvor hat sie mehrere Jahre als Betreuungskraft für Demenzkranke gearbeitet. „Das hat auch viel Spaß gemacht, aber ich habe für mich keine Entwicklungsmöglichkeiten gesehen. Die Ergotherapie ist vielfältiger. Hierzu gehört zwar auch die Arbeit mit alten Menschen, aber auch mit allen anderen Altersstufen. Therapiert werden physische und psychische Erkrankungen. Die Ergotherapie umfasst deshalb sehr viele Fachrichtungen wie etwa Pädiatrie, Geriatrie, Neurologie, Orthopädie oder auch Arbeitstherapie und Palliativbetreuung.“

Ergotherapeuten arbeiten zum Beispiel in Akutkrankenhäusern, in Reha-Kliniken, im ambulanten Dienst, in Tageskliniken, in Arztpraxen oder auch in Behindertenwerkstätten. „Der Fokus liegt dabei immer darauf, den Patienten dazu zu befähigen, die Aktivitäten des täglichen Lebens wieder möglichst selbstständig erledigen zu können, ob er nun körperlich eingeschränkt ist oder er ein psychologisches Symptom zeigt.“ Die Methoden, das zu erreichen sind so unterschiedlich, wie die Krankheitsbilder und die Menschen selbst. „In der Psychiatrie zum Beispiel macht man viel mit Kunsthandwerk, mit Demenzkranken übt man auch zuhause einfache Aufgaben wie Bügeln, Menschen mit einer Amputation hilft man durch gezieltes Training, wieder gehen zu lernen. Es klingt vielleicht einfach, aber man muss immer wissen, was man mit dem Patienten erreichen will und wie man das schafft. Und man arbeitet auch nicht einfach so, sondern erstellt für jeden Patienten einen Therapieplan.“

Das muss natürlich auch mit entsprechendem Fachwissen abgedeckt werden. In der Theorie sind Anatomie, Biologie und Physiologie große Themen. „Den Lernaufwand sollte man nicht unterschätzen, es ist schon eine Menge, vor allem, da man auch die Fachsprache, also die lateinischen Begriffe, kennen muss.“ Außerdem gibt es neben dem medizinischen Bereich noch die Sozialwissenschaften als zweites großes Feld mit Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Gerontologie. Natürlich lernt man nicht nur die Störungsbilder kennen, sondern auch die verschiedenen Behandlungsverfahren. Dazu gehören neben motorisch­funktionellen, arbeitstherapeutischen, psychosozialen, neurophysiologischen und neuropsychologischen auch adaptive Verfahren, also Dinge wie Hilfsmittel und Wohnraumanpassung.

Die Ausbildung zum Ergotherapeuten ist zwar eine schulische, ganz ohne Praxis geht es aber nicht. Seit dem zweiten Ausbildungsjahr stehen regelmäßig mehrwöchige Praktika für Heike auf dem Plan. „Es nützt nichts, nur die Theorie zu kennen, man muss den Umgang mit den Patienten lernen. Ich war bisher in drei verschiedenen Einrichtungen: in der Arbeitstherapie, in der Psychiatrie und in der Neurologie. Als nächstes steht für mich noch die Pädiatrie auf dem Plan. Mit Kindern zu arbeiten ist für mich nochmal was Neues und ich bin schon sehr gespannt.“ Was sie an ihrem Beruf besonders mag, weiß Heike aber jetzt schon: „Jeder Patient ist anders, es gibt kein Schema, das man abarbeitet. Jedes Mal ist es eine neue Herausforderung und es ist ein schönes Gefühl, wenn man sieht, dass man was bewirken konnte. Und wenn es nur ist, dass eine ältere Dame sich wieder allein ein Glas Wasser einschenken kann.“ (mü)