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27.07.10

Steuerfachwirt - Ein Faible für Zahlen

Wiyou hat sich mit zwei angehenden Steuerberatern getroffen, um sie über ihren Werdegang erzählen zu lassen. Sie können dir am besten erklären, was du für den Beruf mitbringen musst, aber auch was du leisten musst.



Eine solche ist die Kanzlei Ruschel & Coll. GmbH & Co. KG Steuerberatungsgesellschaft in Erfurt, die sich als ausbildender Betrieb in der Steuerberatung besonders hervorhebt. Mit zwei Partnern beschäftigt die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin Ilona Ruschel mehr als 40 Mitarbeiter. Sechs davon sind Auszubildende und fünf Studenten in dualer Ausbildung bei Fachhochschulen und Berufsakademien. Zirka zwei Drittel der Mitarbeiter wurden seit 1990 hier ausgebildet. Dabei übernimmt die Kanzlei sämtliche anfallenden Kosten für Aus- und Weiterbildungen. Die Kanzlei hat sich auf alle wesentlichen Bereiche der Steuerberatung spezialisiert. Daneben wird eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft betrieben. Dadurch ist es möglich auch größere Unternehmen verschiedenster Branchen umfassend betreuen. Unter anderem gehören die Finanz- und Lohnbuchhaltung und die Erstellung von Jahresabschlüssen oder Steuererklärungen zu den Tätigkeiten der von Ruschel & Coll.


Sebastian Schillig ist 27 Jahre. Heute ist er Steuerfachwirt und es war ein gutes Stück Arbeit, die ihn zu diesem Titel brachte. Nach seinem Realschulabschluss im Jahr 1998 bewarb er sich in ganz Thüringen um einen Ausbildungsplatz. Eigentlich wollte er in die Richtung einer Bankkaufmannslehre gehen. Da seine Mutter bei Ruschel & Coll. arbeitete, bekam er sozusagen über gute Beziehungen ein Vorstellungsgespräch in der Kanzlei und sagt heute rückblickend, „ich habe schon großes Glück gehabt, denn eigentlich ist in dieser Kanzlei ein Abitur für den Beruf nötig“. Zahlen waren jedoch schon immer seine Freunde. So fiel es ihm auch leicht, sich in die Abläufe einer Steuerkanzlei einzuarbeiten. Das ist gleichzeitig die wichtigste Voraussetzung, die du haben
solltest, wenn du in die Steuerberatungswelt eintreten willst: Du solltest gut in Mathe sein. „Bei uns geht es um Zahlen, und die muss man verstehen und mögen“, weiß Sebastian. Auch in den anderen naturwissenschaftlichen Fächern solltest du gute Noten haben, denn wenn du in den Lernfächern gute Leistungen erbringst, dann zeigt das auch, dass du dich in komplexe Sachverhalte gut einarbeiten kannst. Und das ist als Steuerfachangestellter absolut vonnöten. Nach drei Jahren schloss Sebastian seine Ausbildung ab, ging danach zum Wehrdienst und trat dann seine Arbeit bei Ruschel & Coll. an.


Etwas anders ist der Werdegang des 28-jährigen Christoph Köhler. Er hat sich nach einer Orientierungszeit nach dem Abitur und der Ableistung des Zivildienstes ebenfalls für eine Ausbildung als Steuer fachangestellter entschieden. 2003 begann er seine Ausbildung in der Kanzlei und wurde nach seinem Abschluss 2006 in das Unternehmen übernommen. Doch damit nicht genug. Zu dieser Zeit etablierten sich gerade private Fachhochschulen in Thüringen. Eines der Angebote war ein Studiengang im Fach Steuer- und Prüfwesen. So wurde Christoph direkt nach der Ausbildung angeboten, sich über ein Bachelorstudium weiter zu qualifizieren. Die Kosten dafür übernahm für ihn die Kanzlei. Mittlerweile hat er seine Bachelorarbeit geschrieben und abgegeben. Jetzt bleibt für ihn das Warten auf das Endergebnis, um dann den Titel Bachelor of Arts (BA) zu führen. Das Studium ist dual aufgebaut. Das heißt, neben den Theoriephasen stand Christoph seiner Kanzlei in den Praxisphasen zur Verfügung. Er weiß mit sachlichem Blick auf seine Ausbildung: „Ein Traumjob ist für jeden etwas anderes. Für mich ist es der Job, der am besten zu mir passt. Das was ich kann, mein Potenzial kann ich hier am besten einfließen lassen.“


Beratungsleistungen erbrachten beide in ihrer Zeit der Ausbildung allerdings doch nicht. „Das obliegt dem Steuerberater“, sagt Sebastian, „aber ich bin für meine Mandanten schon der erste Ansprechpartner.“ Immerhin fast 20 Prozent seiner Arbeitszeit, so schätzt Sebastian, ist er mit Mandanten im Gespräch. Auch bei Beratungsterminen mit Mandanten begleitete er seinen Steuerberater. Kommunikationsfähigkeit ist da das Stichwort und somit eine weitere wichtige Voraussetzung, die du für den Job mitbringen solltest. An seinen Fällen arbeitete Sebastian weitgehend selbständig, wenn es um die reine Sachbearbeitung ging. Die Prüfung und Überwachung der Arbeiten der Mitarbeiter obliegt dem Steuerberater.


Der Wille nach persönlichem Fortkommen sowie die Einschätzung seiner Chefin Frau Ruschel brachten ihn dann auf den Gedanken, sich zum Steuerfachwirt weiterzuentwickeln. Das ist eine Möglichkeit, mit der du dich nach erfolgreicher Ausbildung zum Steuerfachangestellten weiter qualifizieren kannst. „Die Vorbereitung zum Steuerfachwirt kann man bei verschiedensten Institutionen machen“, sagt Sebastian. In Thüringen ist das zuständige Fortbildungswerk des Steuerberater ver bandes, dem seine Kanzlei angehört, die Steuerakademie Thüringen. Doch der Schritt sollte gut überlegt sein, denn eine solche Fortbildung ist kosten- und zeitintensiv. Bei Ruschel & Coll. wurden die Kosten auch für Sebastian von der Kanzlei getragen. Das ist aber längst nicht überall der Fall und hängt oft vom persönlichen Verhandlungsgeschick ab.


Sebastian ging also von 2005 an eineinhalb Jahre nahezu jeden Samstag zu dem Vorbereitungskurs Steuerfachwirt. Nebenbei, sprich, in der Woche, arbeitete er weiter in der Kanzlei. Aber die zusätzliche Belastung lohnte sich. 2007 machte er dann seinen Abschluss vor der Steuerberaterkammer, dem zuständigen Gremium für den Berufszweig. Dadurch änderte sich auch sofort seine Aufgabenverteilung. Fast 50 Prozent seiner Arbeitszeit investiert er jetzt in Kontakt und Korrespondenz mit Mandanten. Außerdem ist er in der Kanzlei sogar für alle Azubis zuständig, die zum Steuerfachangestellten ausgebildet werden.

Sebastian und Christoph sind sich beide einig. Für diesen Ausbildungsweg ist Disziplin nötig, aber es lohnt sich zu lernen. Denn im Berufsleben wird eine hohe Genauigkeit gefordert. Außerdem sind beide ihrem erklärten Ziel ein gutes Stück näher gekommen. „Wenn man diesen Weg einmal eingeschlagen hat, dann sollte man auch unbedingt weitermachen“, rät Sebastian. So schnell geht es dann aber doch nicht. Bevor die beiden jetzt zum Steuerberaterlehrgang gehen können, muss Sebastian 7 Jahre und Christoph 3 Jahre in die Praxis.
Und irgendwann müssen sie ja auch ihrer Kanzlei Ruschel & Coll. zeigen, dass sich die Investition in ihre Ausbildung gelohnt hat. (rw)