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11.04.16

Bundesfreiwilligendienst in der Flüchtlingshilfe - Freiwillig im Dienst

Als im September letzten Jahres das Bild des Ailan Kurdi, einem kleinen Jungen, der die Flucht über das Meer nach Europa nicht überlebt hatte, durch die Medien ging, machte das auch in Deutschland viele Menschen betroffen, manche so sehr, dass sie sich ernsthafter mit dem Thema Flüchtlinge auseinandersetzten und beschlossen, zu helfen – so wie der 28­jährige Ansgar, der nur einen Monat später seinen Bundesfreiwilligendienst in der Flüchtlingshilfe des Deutschen Familienverbandes in Erfurt antrat.


Ausbildung, Thüringen, BFD, Bundesfreiwilligendienst, Flüchtlingshilfe

Foto: Manuela Müller/WiYou.de

„Ich habe Filmwissenschaften und Kunstgeschichte studiert und hätte auch gern in diesem Bereich gearbeitet, aber leider wachsen die Jobs da nicht auf Bäumen. Ich hatte außerdem das Bedürfnis, mich sozial zu engagieren – und hab geguckt, was es da so für Möglichkeiten gibt. So bin ich auf den BFD gestoßen. Als zu dieser Zeit dann die Geschichte des kleinen toten Jungen in die Medien kam, hat mich das für das Thema Flüchtlinge sensibel gemacht und ich habe relativ spontan beschlossen, in diese Richtung zu gehen. Einfach weil ich das Gefühl hatte, dass da gerade am dringendsten Hilfe gebraucht wird. Die Vermittlung ging dann relativ schnell, schon am 1. Oktober ging es los“, erzählt Ansgar heute, gut ein halbes Jahr später.

„Ich war damals der erste BFDler hier und kam gerade dazu, als eine Turnhalle erstmalig als Notunterkunft bezogen wurde. Das war für alle eine neue Situation.“ Trotzdem war Ansgar gleich ein fester Teil des Teams, das neben den Festangestellten und Ansgar auch aus Praktikanten und vielen ehrenamtlichen Helfern besteht und sich um rund einhundert Geflüchtete kümmert. „Ich selbst mache weniger Büroarbeit, sondern bin als Ansprechpartner vor Ort für die Menschen da, helfe bei organisatorischen Problemen und begleite die Leute zu Behörden, Ärzten oder ähnlichen Terminen. Man macht einfach immer das, was gerade wichtig ist.“ So wie zum Beispiel, wenn jemand ein Problem mit seiner Brille hat und Ansgar mit ihm kurzerhand in die Stadt zum Optiker fährt. Dass dabei nicht alle Beteiligten eine Sprache sprechen, ist weniger problematisch, als man denken mag. „Nur wenige haben ausreichende Deutschkenntnisse, da sie meist erst seit wenigen Wochen hier sind, Englisch sprechen auch nicht alle, aber wir haben Dolmetscher und die Leute übersetzen auch viel untereinander.“ Schwieriger sei es manchmal, die verschiedenen Kulturen zusammenzubringen, wenn es um ganz alltägliche Dinge, wie etwa die Müllentsorgung, geht. „Man muss die Regeln immer wieder erklären. Den Sheriff zu spielen, macht nicht so viel Spaß, gehört aber eben dazu.“ Eine Herausforderung ist außerdem die Tatsache, dass sich die Menschen, um die sich Ansgar kümmert, in einer absoluten Ausnahmesituation befinden. „Sie sind aus ihrer Heimat geflüchtet, haben teilweise Traumatisches erlebt und sitzen jetzt hier, ohne zu wissen, wie es für sie weitergeht. Das darf man nicht zu nah an sich ranlassen. Und es gibt auch so schöne Momente: Ich bin letztens mit einem Geflüchteten zu einem Koch gefahren und beide haben zusammen in der Küche gearbeitet. Sie haben sich miteinander ausgetauscht, ohne dieselbe Sprache zu sprechen und auch noch was Leckeres auf den Tisch gebracht. Mir macht es Spaß, solche Ideen zur Integration selbst zu entwickeln und zu begleiten.“

Dass Ansgar dabei eigentlich die theoretischen Grundlagen der Sozialarbeit fehlen, sieht er nicht als Nachteil. „Manchmal habe ich das Gefühl, es ist sogar besser, das nicht alles vorher tottheoretisiert zu haben, sondern es einfach zu machen.“ Die Seminare, die für Ansgar während des BFD verpflichtend sind, nimmt er trotzdem gern an: „Ich kann mir das aussuchen, was mich interessiert, so wie letztens zum Beispiel eine Fortbildung zum Sprachpartner für Flüchtlinge – das ist natürlich schon sinnvoll, wenn man eigentlich aus einem ganz anderen Bereich kommt.“ (mü)