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< Buchhändler - Lisa Literaturliebe
01.04.13

Bundesfreiwilligendienst auf der Intensivstation

Notfallalarm auf der Intensivstation im Universitätsklinikum Jena – Herzstillstand bei einem Patienten. Sofort sind Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger zur Stelle: Reanimation! Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Jeder weiß, was er zu tun hat, jeder Handgriff sitzt und jede Sekunde zählt. Auch der BFD´ler Florian weiß genau, was er zu tun hat und bringt das fahrbare EKG-Gerät. Und dann? Gerettet. Das Patientenherz schlägt wieder in seinem Rhythmus.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Seit einem halben Jahr ist Florian nun schon als Bundesfreiwilliger im Einsatz und Notfälle wie so ein Herzstillstand gehören für den 19-Jährigen zum Arbeitsalltag. Er hatte nach seinem Abitur nach etwas gesucht, mit dem er die Zeit bis zum Beginn eines Studiums überbrücken konnte. „Meine Eltern haben mich da auf den Bundesfreiwilligendienst gebracht. Ich hab mich dann genauer informiert. Ich wollte nach Jena und da die Uniklinik hier der größte Anbieter im Bereich BFD ist, hab ich mich da beworben.“ Damals hatte Florian vor, Medizintechnik zu studieren, „da passte dann die Intensivstation sehr gut, weil dort sehr viel Technik eingesetzt wird.“ Außerdem habe er irgendwo hingewollt, „wo ein bisschen was los ist.“ Stephan Martin, der die BFD-Einsätze im Klinikum koordiniert, erklärt: „Wir setzen jeden nach seinen Neigungen ein. Niemand wird dort hingeschickt, wo er sich nicht wohl fühlt.“ Und gerade der Intensivstation sollte man gewachsen sein, das weiß auch Florian: „Hier kann es schon sehr stressig werden, da darf man nicht im Weg stehen und muss schnell reagieren und das tun, was einem gesagt wird.“ Auch müsse man psychisch stabil sein. „Hier liegen die Patienten, denen es richtig schlecht geht und es sterben auch einige.“ Für Florian ist das kein Problem: „Das ist natürlich nicht schön, aber ich komme damit gut zurecht.“


Als BDF´ler hat Florian zum größten Teil helfende Tätigkeiten: „Ich habe auf der Station viele verschiedene Aufgaben. Ich beziehe die Betten, betreue das Besuchertelefon, verteile das Essen, welches wir aus der Zentralküche bekommen, sorge dafür, dass die Ärzte benötigte Instrumente und Geräte zur Hand haben und helfe den Schwestern beim Umbetten und bei der Pflege der Patienten.“ Dazu gehören zum Beispiel Umlagern, Waschen, Ankleiden und bei der Nahrungsaufnahme unterstützen. Für Florian gab es, wie für alle, die in diesem Bereich arbeiten, eine Grundkrankenpflegeschulung. „Da lernt man in Theorie und Praxis, worauf man achten muss, wie man sich richtig desinfiziert, an welche Vorschriften man sich halten muss und natürlich auch wie man richtig mit den Patienten umgeht.“ Auf der Intensivstation müsse man da wegen der vielen Schläuche und Drainagen besonders vorsichtig sein.


Alles was mit medizinischer Pflege zu tun hat, ist dann aber nicht mehr Florians Aufgabe, denn das dürfen nur die Ärzte und das ausgebildete Pflegepersonal. „Für alle, die beruflich einmal in diese Richtung gehen wollen, ist so ein Einsatz natürlich ein guter Einstieg.“ Man bekomme einen guten Einblick in die Arbeit im Krankenhaus, könne sich selbst ausprobieren und herausfinden, ob das was für einen ist, oder eher nicht. „Immerhin 20 Prozent der ehemaligen BFD'ler bewerben sich bei uns dann für eine Ausbildung“, so Stephan Martin. „Viele andere beginnen ein Medizinstudium.“


Florian allerdings hat sich für einen anderen Weg entschieden. Er wird im Anschluss Business Administration studieren. „Ich arbeite hier sehr gern, aber ich weiß jetzt auch, dass das nicht das ist, was ich beruflich machen möchte. Nichts desto trotz war es eine gute Entscheidung. Man lernt nicht nur Fachliches kennen, sondern kommt auch mit sich selbst menschlich ein gutes Stück voran.“ Er selbst sei selbstständiger geworden und „irgendwie auch ein bisschen erwachsener.“ (mü)