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< BWL Fachrichtung Industrie und Handel (IBA Erfurt)
01.04.13

Buchhändler - Lisa Literaturliebe

Sich mit Bella Swan ins Vampirleben stürzen, mit Harry Potter Quidditch spielen oder immer wieder mit Frodo zum Schicksalsberg wandern – die einen lassen sich es per DVD servieren, die anderen wollen lesen lesen lesen und würden am liebsten den ganzen Tag im Buchladen verbringen. Na warum denn dann nicht damit Geld verdienen?


Foto: Thalia Eisenach

Gelesen hat Lisa schon immer gern, aber daran, ihr Hobby zum Beruf zu machen, hat die 20-Jährige früher eigentlich nicht gedacht. „Ich war mir nach der Schule nicht sicher, was ich machen will. Hotelfachfrau war in der engeren Auswahl, hatte sich aber nach einem Praktikum wieder erledigt. Zufällig las ich dann was über den Beruf des Buchhändlers und dachte: ‚Hey, das ist doch genau das Richtige für mich.“ Allerdings hat Lisa nicht gleich mit der Ausbildung begonnen. „Ich habe erstmal ein Langzeitpraktikum bei Thalia gemacht. Die Atmosphäre zwischen all den Büchern, da rumzuräumen und immer wieder neue Schmöker zu entdecken; als Erste die Neuerscheinungen in den Händen zu halten, für mich als Bücherfan war und ist das einfach das Größte.“ Schnell war klar, hier haben sich zwei gefunden: Lisa und Buchhandel, das passt. So sah man das auch bei Thalia und übernahm Lisa nach dem Praktikum in ein Ausbildungsverhältnis.

Als Buchhändler hat man viele verschiedene Aufgaben: „Das fängt an bei Bestellungen und Gesprächen mit Verlagsvertretern, die uns Neuerscheinungen vorstellen und die Konditionen für den Einkauf verhandeln. Dann kommt der Wareneingang, das heißt, die Bücher auspacken, in den Bestand aufnehmen, auspreisen und in die Regale einsortieren. Außerdem bin ich auch für die Dekoration verantwortlich, lege das Thema für die Schaufenster fest oder bestücke und schmücke unserer Thementische, wie jetzt zu Ostern zum Beispiel.“ Wird der Laden dann aufgeschlossen, stehen die Kunden im Mittelpunkt. „Manche wissen genau, was sie wollen und fragen gezielt nach bestimmten Büchern, andere stehen ratlos herum und wissen nicht, wohin.“ Dann ist Lisa an der Reihe, die Kundenberatung spiele in diesem Beruf eine sehr große Rolle und mache ihr auch unheimlich viel Spaß. „Was interessiert sie denn? Was haben sie schon gelesen, was hat ihnen gefallen? Gemeinsam tastet man sich langsam voran.“ Auch wenn sie selbst eine bekennende Leseratte ist, kennt auch Lisa natürlich nicht alle Bücher. „Wir tauschen uns unter den Kollegen ständig aus. Jeder von uns hat so sein Spezialgebiet. Ich mag Kinderbücher und Fantasyromane, andere kennen sich bei Biografien, Krimis oder Ratgebern besonders gut aus. Wir lassen uns auch von den Kunden selbst inspirieren. Und wenn der dann sagt: ‚Das ist genau das, was ich gesucht habe‘, macht das auch mich richtig glücklich.“ Selbst wenn es mal stressig wird: „Vor Weihnachten zum Beispiel oder auch zum Schulstart, wenn alle ihre Unterrichtsbücher kaufen, dann haben wir hier schon richtig viel zu tun.“

Richtig viel zu tun hatte Lisa auch in der Berufsschule. Dafür fährt sie in den drei Jahren für insgesamt vier Monate nach Frankfurt. „Das ist wenig Zeit und man muss schon dran bleiben und viel dafür tun, vor allem, wenn man wie ich zu den wenigen gehört, die diese Lehre ohne Abitur in Angriff nehmen. Mir fielen vor allem Wirtschaftslehre und Rechnungswesen schwer, ich musste hart dafür arbeiten.“ Aber es hat sich gelohnt, Lisa hat die Theorie mit „gut“ bestanden und wird ihre Ausbildung im Sommer erfolgreich beenden können und möchte auch danach gern weiter als Buchhändlerin arbeiten: „Ich liebe diesen Beruf, die Verbindung Mensch-Buch fasziniert mich einfach und ich bekomme auch selbst nie genug von Büchern.“ (mü)