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09.11.15

Brauer und Mälzer - Hier braut sich was zusammen

Vor der Abschlussprüfung noch schnell ein Bier? Das ist in den meisten Fällen keine besonders gute Idee. Bei Robert ist das ein bisschen anders. In seinem Beruf geht es nämlich gar nicht ohne, denn Robert lernt Brauer und Mälzer und Bestandteil seiner Abschlussprüfung wird sein eigens dafür kreiertes Bier, der sogenannte Gesellensud, sein. Doch Achtung: Brauer sein heißt trotzdem nicht, den ganzen Tag an einem Kessel rumstehen, ab und zu im Bier zu rühren und alle zehn Minuten mal einen kräftigen Schluck zu probieren, wie es das Klischee vielleicht vermuten lässt. Roberts Traumjob ist es dennoch.


Ausbildung, Thüringen, Gotha, Brauer und Mälzer

Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Robert ist Bierbrauerlehrling aus Leidenschaft, auch wenn er einen kurzen Umweg über die Ausbildung im Bäckerhandwerk nahm. „Das war damals einfach nicht das Richtige für mich, deshalb habe ich noch eine zweite Ausbildung begonnen. Den Beruf Brauer kannte ich von meinem Vater, der auch hier in der Brauerei Oettinger in Gotha arbeitet, und Bier mag ich auch privat. Zum einen trinke ich es gern, zum anderen finde ich es aber auch wahnsinnig spannend zu sehen, wie aus den einzelnen Rohstoffen das Bier entsteht.“ Bei einem Praktikum hat sich Robert einen genaueren Einblick in die Arbeitsbereiche der Brauerei verschaffen können. „Das hat mir alles sehr gut gefallen und ich habe mich auch gleich beworben.“

Zwei der insgesamt drei Ausbildungsjahre hat Robert nun schon hinter sich. „Der Beruf ist so vielschichtig, dass die Zeit bis jetzt wie im Flug vergangen ist. Als Azubi durchläuft man alle Abteilungen der Produktion. Angefangen beim Sudhaus über den Gärkeller, die Filtration, das Labor und die Abfüllung bis hin zum Lager, der Logistik und Instandhaltung. In einer modernen Brauerei wie hier hat die Arbeit sehr viel mit Steuerung und Überwachung der Maschinen und Anlagen zu tun, trotzdem ist man auch körperlich gefragt und viel auf den Beinen, muss zum Beispiel Schläuche ziehen oder Filter ausspritzen – gerade dieser Mix gefällt mir an meinem Beruf. Ich könnte nicht den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen.“

Und schließlich gehört auch das Bierverkosten zur Arbeit dazu, denn auch das modernste Labor kann den Geschmack nicht messen. „Wenn man selbst gern Bier trinkt, ist das dabei natürlich von Vorteil. Wir kosten aber nicht nur das fertige Bier. Auch die Rohstoffe, also Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, werden zuerst mit dem Auge, dann mit der Nase und schließlich mit der Zunge begutachtet. Ganz ohne Labortest geht es in der Lebensmittelindustrie jedoch nicht. Erst wenn auch dort alles beprobt und für „in Ordnung“ befunden wurde, wird es für die Produktion freigegeben und der Sud angesetzt. Pro Sud entstehen dann 500 Hektoliter Bier. Das sind umgerechnet 100.000 Flaschen. „Das ist hier schon eine Nummer größer und man braucht eine Weile, um alles zu überblicken – außerdem gibt es nicht nur eine Biersorte. Wir haben hier 16 verschiedene, außerdem Biermischgetränke und alkoholfreie Getränke. Dazu die ganze Technik. Da muss man auch sehr viel Theorie lernen.“ Hilfe gibt’s dazu in der Berufsschule. Die findet alle zwölf Wochen für jeweils drei Wochen in Dresden statt. Die Lernfelder behandeln unter anderem Rohstoffkunde, Fachrechnen, Chemie und Technik. Zurzeit ist Robert in der Gärung. „Das ist für mich die Königsdisziplin. Hier ist so viel zu tun, Hefe zugeben, Hefe entfernen, man hat mit Lieferanten und Kunden zu tun, befüllt Fässer, entlädt LKWs, steuert und überwacht die Gärungsprozesse – da ist man nur unterwegs. Das ist genau mein Ding, hier würde ich gern auch nach meiner Ausbildung arbeiten.“

Übrigens: Zur praktischen Ausbildung der Brauer und Mälzer gehört, wie der Name schon sagt, auch das Handwerk des Mälzens. Da das Brauereien selbst oft nicht mehr anbieten können, gibt es dafür überbetriebliche Lehrgänge. Robert war dazu sechs Wochen in einem Erfurter Malzwerk. (mü)