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03.07.20

Gärtner - Blühende Aussichten

Wer mit der elterlichen Gärtnerei aufwächst, muss ja Gärtner werden? Nicht zwangsläufig, aber es liegt natürlich nahe. Allerdings sollte er dann die Ausbildung nicht unbedingt bei seinen Eltern im Unternehmen machen. „Ich finde wichtig, dass man als junger Mensch mal von zuhause weg geht und lernt, allein klar zu kommen und sieht, wie andere arbeiten“, erzählt Pascal. Er ist gelernter Gärtner und Gärtnermeister aus Erfurt. Und er ist inzwischen nicht nur nach Hause zurückgekehrt, sondern hat auch den elterlichen Betrieb übernommen.


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Fotos: Manuela Müller

„Ich habe zwar auch als Kind schon nebenbei mal bei meinen Eltern gearbeitet und mein Taschengeld aufgebessert, für den Beruf entschieden habe ich mich aber, weil mich Pflanzen wirklich interessieren und mir Gartenarbeit schon immer Spaß gemacht hat. Auch die Fachrichtung stand von Anfang an fest: Ich habe mich der Staudengärtnerei verschworen. Damit hat man eine unheimliche Artenvielfalt und arbeitet tatsächlich die meiste Zeit draußen, und nicht etwa im Gewächshaus.“

Wer, wie Pascal, mit reichlich Erfahrung in die Ausbildung startet, hat natürlich schon mal einen Vorteil, denn es gibt wirklich eine Menge zu lernen. Zumal in der Berufsschule alle Fachrichtungen des Gärtnerberufs unterrichtet werden. So gibt es neben den Stauden auch Garten- und Landschaftsbau, Obstbau, Gemüsebau und Zierpflanzen. Für die einzelnen Sparten bleibt damit nicht so viel Zeit. „Bei den Zierpflanzen hat man es in der Regel mit 30 bis 40 verschiedenen zu tun, bei den Stauden mit bis zu 1500 – zumindest hier bei uns im Betrieb. Bis man die alle kennt, das dauert eine Weile. Pflanze ist nicht gleich Pflanze. Jede hat ihre eigenen Eigenschaften und Anspruche. Auch bei der Vermehrung, also der Produktion, gibt es große Unterschiede. Einmal die verschiedenen Arten der Vermehrung – wie Aussaat, Teilung und Stecklinge – und dann ist eben auch jeder Steckling anders.“

Neben der Vermehrung der Pflanzen geht es auch um die Aufzucht, Pflege und den Verkauf. „Wir machen hier alles selbst und unser Jahr hat einen bestimmten Ablauf. Im Winter und zu Beginn des Frühjahrs wird produziert, dann kommt der erste große Verkaufszeitraum, wenn die Menschen ihre Garten bestücken. Im Sommer geht es hauptsachlich um Pflege, während im Herbst noch mal eine Verkaufswelle kommt.“ Außerdem ist Pascal auch für Aufträge beim Kunden unterwegs, hilft bei der Planung und Gestaltung oder kümmert sich zum Beispiel um Grabbepflanzungen. Das Tolle an diesem Beruf sei, dass man ein sichtbares Ergebnis habe. „Und das ist nicht nur das fertige Blumenbeet. Auch der Anblick tausender frisch getopfter Pflanzen ist einfach großartig; genauso wie ein sauberes, vom Unkraut befreites Beet, dass auch den Kunden gleich auffallt und gelobt wird.“

Apropos Kunden: Je nachdem, in welcher Gärtnerei man arbeitet, gehört auch das Verkaufen dazu. „Unsere Azubis hier haben damit im ersten Lehrjahr noch nicht viel zu tun, ab dem zweiten dürfen sie dann aber auch schon mal Kundenfragen beantworten und kleinere Beratungen durchführen. Die richtig großen Aufträge bearbeiten Azubis aber noch nicht. Wenn der Kunde hunderte Lavendelpflanzen kauft, und die dann eingehen, weil er zu den Standortbedingungen nicht richtig beraten wurde, wäre der wirtschaftliche Schaden sehr groß. Auch bei Themen wie Pflanzenschutzmitteln. Das nutzen wir zwar selten, aber da muss man ganz genau wissen, was man tut.“

Ein Gärtner brauche einfach sehr viel Erfahrung. Deshalb findet Pascal, dass man die Ausbildungszeit nicht verkürzen sollte, auch wenn das bei guten Leistungen möglich wäre. „Das Gartenjahr kann man auch nicht verkürzen und man sollte es dreimal mitmachen, um ein Gefühl für die Abläufe zu bekommen.“ Richtig ausgelernt habe ein Gärtner ohnehin nie. „Es gibt so viel zu wissen und auch immer wieder was Neues, neue Pflanzenzüchtungen zum Beispiel.“

Und auch, wenn noch sehr viel traditionelles Handwerk in der Arbeit steckt, hat auch ein Gärtner mit sehr modernen Verfahren zu tun. Mit der Vermehrung im Labor zum Beispiel. „Da werden aus einer einzelnen Pflanze bis zu 10.000 neue Pflanzen gezogen, mithilfe von Nährgeweben. Das wäre traditionell gar nicht zu schaffen, da käme man auf fünf bis sieben Stück pro Pflanze und man brauchte mehrere Jahre, um die Kundennachfrage zu erfüllen.“ Darüber hinaus gibt es auch in anderen Bereichen immer neue Technik, wie Bewässerungsanlagen, Gewächshausanlagen, moderne Kulturanlagen, große Technik wie der Radlader oder auch Webshops, die gepflegt werden müssen. „Jeder kann sich das Aufgabenfeld suchen, auf welches er sich spezialisieren möchte.“

Trotzdem müsse ein Gärtner bereit sein, sich die Hände schmutzig zu machen und auch bei schlechtem Wetter draußen zu arbeiten.
„Eine gewisse Naturverbundenheit sollte man auch mitbringen.“ Gärtner seien auch irgendwie Individualisten, ein besonderer Schlag. „Das ist kein Beruf für jedermann, was nicht heißt, dass hier nur Einzelgänger gefragt sind. Im Gegenteil, auch hier ist die Teamarbeit wichtig. Aber wer einen schlechten Tag hat und ein bisschen Ruhe braucht, der kann sich eben auch mal eine Aufgabe suchen, bei der er eine Weile allein vor sich hin werkeln kann.“ (mü)