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13.01.20

Biologielaborant - Das Leben unter der Lupe

Wenn du zuhause den Wasserhahn aufdrehst, wirst du dir wahrscheinlich nicht jedes Mal Gedanken darüber machen, ob das, was da aus dem Hahn kommt, auch wirklich in Ordnung ist. Und das musst du auch nicht, dank Marc. Denn der 19‐Jährige ist angehender Biologielaborant und arbeitet bei den Stadtwerken.Erfurt in der Wasseranalyse, wo er nicht nur das Trinkwasser, sondern zum Beispiel auch das Wasser der thüringischen Badeseen überprüft. Allerdings ist das nur ein Teilbereich eines sehr vielfältigen Berufs, wie wir von Marc erfahren.


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Foto:privat

„Mich hat schon immer interessiert, wie Lebewesen funktionieren. Außerdem wollte ich einen Beruf, in dem ich praktisch arbeite und Ergebnisse habe. Deshalb habe ich mir Biologielaborant ausgesucht“, erzählt Marc. „Ich habe zwar kein Praktikum gemacht, aber viel selbst recherchiert, was zu diesem Beruf gehört. Das würde ich auch jedem raten, der sich für die Ausbildung interessiert, denn es steckt so viel drin, was man erstmal nicht ahnt. Zum Beispiel auch die Bereiche Zoologie und Tierversuche.“

Die Ausbildung ist so breit gefächert, weil auch die Einsatzstellen der Biologielaboranten so vielfältig sind. Marc ist bei den Stadtwerken in der Wasseranalyse – also in der Mikrobiologie. „Ich habe zwei Praxisstellen: das Labor in Tambach‐Dietharz und das in Luisenthal. Ich analysiere Wasserproben und stelle fest, welche Mikroorganismen vorhanden sind und zu welcher Zahl. Außerdem lege ich Kulturen und Nährmedien an. Neben der Qualität des Trinkwassers untersuche ich auch Abwasser, da geht es darum, ob es wieder zurück in die Umwelt geleitet werden kann, ohne dem Ökosystem zu schaden, und Wasser aus Seen. Da wird dann beispielsweise die Algenbelastung untersucht. Ich habe gelernt, wie Proben fachgerecht entnommen, transportiert, aufbewahrt und für die Analysen vorbereitet werden. Außerdem führe ich die Untersuchungen durch. Dazu arbeite ich viel mit technischen Geräten, trotzdem ist es wichtig, die Vorgänge, die dahinterstecken, zu verstehen. Nur so kann ich auch reagieren, wenn bei einem Versuch mal etwas nicht nach Plan läuft und ich eine Fehleranalyse machen muss. Außerdem habe ich den Anspruch, ein guter Laborant zu sein und nicht nur einfach so die Arbeitsanweisungen abzuarbeiten. Ich möchte auch verstehen, was warum passiert.“

Das erfährt Marc dann auch in der Berufsschule, für die er mehrmals im Jahr nach Radebeul fährt. „Die Theorie ist umfangreich und nicht zu unterschätzen. Die meisten meiner Mitschüler haben Abitur, ich selbst zwar nicht, aber ich hatte schon immer sehr gute Noten in Bio und Chemie und habe vor der Ausbildung selbstständig bei den Grundlagen vorgearbeitet. Engagiert sollte man schon sein.“

Da dieser Beruf so breit gefächert ist und das in den jeweiligen ausbildenden Unternehmen nicht alles abgedeckt werden kann, gehören zur Ausbildung der Biologielaboranten viele zusätzliche Praxislehrgänge. „Zum Beispiel in Gentechnik, Botanik und Zoologie. Letztere interessiert mich auch sehr. Aber auch die Gentechnik macht mir Spaß. Ich habe zum Beispiel gelernt, die DNA von Bakterien zu verändern. Das ist nichts Alltägliches. Und auch Pharmazie und Biochemie sind spannend. Es gibt so viele Einsatzstellen für Biologielaboranten, da findet jeder die Passende für sich.“

strong>„Was überall gebraucht wird: Interesse, Geduld und Fingerspitzengefühl. Ich arbeite mit winzig kleinen Pipetten und brauche eine ruhige Hand. Das braucht schon ein bisschen Übung. Und manche Dinge kosten auch wirklich Überwindung. Bei mir war das die Herzpunktion bei Mäusen. Aber das gehört nun mal dazu.“ Genauso wie die Sicherheit und der Arbeitsschutz. „Wir arbeiten zum Teil mit gesundheitsgefährdenden Stoffen. Ich muss wissen, wann ich welche Schutzkleidung brauche oder wann ich nur unter dem Luftabzug arbeiten darf. Und natürlich muss ich immer konzentriert sein. Nicht zuletzt, um die Proben nicht zu verunreinigen oder zu verfälschen. Von den Ergebnissen hängt schließlich eine Menge ab.

Marc hat nun noch ein halbes Jahr, bis er seinen Abschluss machen wird.„Ich würde gern weiter in der Mikrobiologie arbeiten, könnte mir aber auch den Wechsel in einen anderen Bereich vorstellen. In diesem Beruf gibt es sehr viele Zusatzqualifikationen, mit denen ich mich weiterbilden könnte. Ich könnte anschließend studieren und mehr in die wissenschaftliche Arbeit gehen. Ich möchte aber lieber in der Laborarbeit bleiben.“ (mü)