Abo-Service nutzen
< Ziemlich smart: Ostthüringen!
12.09.19

Beton- und Stahlbetonbauer

Beton und Stahl sind die perfekte Kombination, wenn es um Baumaterial geht. Zusammen sind sie druck‐ und zugfest und flexibel formbar, ob zu Fundament, Hauswand oder Brückenpfeiler. Diese Betonteile werden dabei oft direkt auf der Baustelle gefertigt. Wie man den flüssigen Stein in Form bekommt und ihm das Gerippe aus Stahl verpasst, das lernt Lukas in seiner Ausbildung zum Beton‐ und Stahlbetonbauer bei der Bauunion GmbH in Wandersleben und im Bildungswerk Bau Hessen‐Thüringen e.V.


Bau, Handwerk, Beton, Betonbauer, Ausbildung, Thüringen, Azubi

Foto: Manuela Müller

Lukas kommt vom Dorf. „Da ist es normal, mit anzupacken, wenn jemand ein paar helfende Hände braucht.“ Dass man so zu seinem Traumjob kommt, ist dann schon etwas ungewöhnlicher. Hat bei Lukas aber genau so geklappt, als er einem Nachbarn beim Hausbau half. Er hatte so viel Spaß bei der Arbeit, dass er sich für die Ausbildung in einem Bauberuf interessierte. „Ich sprach mit meinem Nachbarn darüber. Er arbeitet selbst im Baugewerbe und hat mir den Beruf Beton‐ und Stahlbetonbauer empfohlen, den bildet er selbst auch aus.“

Das erste Lehrjahr beinhaltet die bauliche Grundausbildung. Die ist für alle Berufe im Hoch‐, Tief‐ und Ausbau gleich und findet in einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum statt. Lukas besucht dafür das Bildungswerk Bau Hessen‐Thüringen e.V. in Erfurt. „Hier bekomme ich einen Einblick in viele verschiedene Bereiche. Ich war schon im Straßenbau und hab gepflastert, Borte gesetzt, war beim Zimmerer und bin jetztgerade beim Mauern. Es kommen zum Beispiel auch noch das Herstellen von Estrichen, Fliesen legen, Trockenbau und Rohrleitungsbau. Es ist wichtig, dass man weiß, wie die anderen Gewerke arbeiten – außerdem kann man so auf der Baustelle auch selbst mal ein Stück pflastern oder auch eine Wand verputzen.“

Die drei Hauptbereiche des Beton‐ und Stahlbetonbaus sind Schalungen, Bewehrungen und Beton. „Beton ist flüssiger Stein, den kann man in jede Form bringen, die man möchte, man muss nur die richtige Schalung bauen“, erklärt Lukas. Es gibt Systemschalungen, die er nur noch zusammenbauen muss, und Schalungen, die er komplett allein baut. Die sind meist aus Holz. Dafür muss er das Holz bearbeiten, zurechtsägen und zusammenbauen. Natürlich nicht irgendwie, sondern nach einem Plan. „Pläne lesen ist das A und O. Und gar nicht so einfach. Die Zeichnungen sind zweidimensional, ich muss daraus aber etwas Dreidimensionales bauen.“ Da ist räumliches Vorstellungsvermögen wichtig. Selbst Pläne zu zeichnen lernt Lukas zwar auch, „das gehört aber nicht zu den Aufgaben in der Praxis, da ist nur wichtig, dass man sie versteht“. Außerdem lassen sich die Pläne nicht immer so wie vorgegeben umsetzen. Lukas muss dann selbst nach einer Lösung suchen: „Da ist auch Mitdenken und Kreativität gefragt.“

Ist die Schalung fertig, geht’s an die Bewehrungen. Das sind Gerippe beziehungsweise Gerüste aus Stahl, die in die Schalung eingebaut werden. Dafür werden die Metallstäbe gekürzt, gebogen und gebunden. Sollen die fertigen Betonteile Aussparungen, Konsolen, Gewinde oder Abstandshalter haben, werden auch dafür noch Bauteile in die Schalung eingebracht. „Auch das ist nicht so einfach, weil man immer eine Negativform von dem, was man später haben möchte, erstellen muss.“

Lukas lernt auch, wie Beton gemischt wird. Auf der Baustelle bekommt er ihn aber fertig angeliefert. „Ich muss ihn dann in die Schalungen einbringen, also über die Bewehrungen gießen.“ Damit keine Luftblasen entstehen, wird der Beton anschließend mit dem Rüttler verdichtet. Dann wird die Oberfläche abgezogen und gewässert, damit sie beim Trocknen nicht reißt. Ist alles fest, werden die Schalungen entfernt, die Oberflächen noch einmal nachbehandelt und die fertigen Teile montiert. „Fertige Teile sind zum Beispiel Pfeiler für Brücken, wie auf meiner ersten Baustelle, und oft so groß, dass sie nicht von Hand bewegt werden können. Wir haben dazu Hebe‐ und Versatzmaschinen – die darf man aber nur mit entsprechenden Scheinen und Weiterbildungen bedienen, als Baugeräteführer beispielsweise.“ Lukas’ Hauptwerkzeuge sind der Werkzeugkasten mit Hammer, Zange und Co. sowie die Wasserwaage. „Es ist sehr wichtig, dass alles immer genau ausgerichtet wird. Sonst passen die Teile nicht zusammen, alles wird schief oder instabil. Man trägt schon eine große Verantwortung in diesem Beruf.“

Im ersten Lehrjahr ist Lukas hauptsächlich im Bildungswerk und noch nicht viel auf der Baustelle, aber wenn, dann arbeitet er schon richtig mit in der Produktion. „Wir sind immer in einer Kolonne unterwegs. Als Azubi werde ich einem Meister zugeteilt, der mir dann Aufgaben gibt. Die Umstellung von Schule auf Arbeit war groß. Ich arbeite auf Montage. Das heißt, von Montag bis Donnerstag von sieben bis sechs Uhr. Da habe ich am Anfang schon an die Zeit zurückgedacht, in der ich als Schüler um zwei Schluss hatte. Vor allem, weil ich jetzt die ganze Zeit auf den Beinen bin. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, auch wenn wir viel technische Unterstützung haben. Aber ich könnte mir auch nicht vorstellen, den ganzen Tag im Büro zu sitzen und auf den Bildschirm zu starren. Außerdem spare ich mir so das Fitnessstudio.“

Allerdings müsse man auch ein bisschen für diese Arbeit gemacht sein. „Ich bin bei Wind und Wetter draußen.“ Dass der Ton auf der Baustelle manchmal etwas rauer klinge, sei auch kein Klischee. „Es wird auch mal lauter. Das liegt aber auch daran, dass es auf einer Baustelle grundsätzlich laut ist. Außerdem ist oft keine Zeit für lange Erklärungen, da gibt es dann deutliche Ansagen, die jeder sofort versteht. Das ist aber nichts Persönliches. Im Gegenteil: Das Miteinander ist immer sehr angenehm und macht Spaß – wenn zum Beispiel in der Pause alle zusammen im Bauwagen sitzen.“

Zu Lukas Lieblingsaufgaben gehört das Einschalen. „Was mir nicht so gefällt ist das Zimmern. Gerade wenn es so feinteilig wird, ist das nichts für mich. Damit werde ich später aber auch nichts mehr zu tun haben, das ist nur jetzt während der Ausbildung.“ Die Berufsschule, die er blockweise über die drei Jahre besucht, macht Lukas keine Probleme. „Wenn man im Unterricht aufpasst und in Mathe fit ist, kommt man gut mit.“

Und Pläne für die Zukunft hat er auch schon: „Ich würde gern noch die Weiterbildung zum Polier machen. Der ist der Leiter einer Baustelle und hat mehr organisatorische Aufgaben und mehr Verantwortung. Auf jeden Fall möchte ich aber weiter im Bereich Betonbau arbeiten. Es macht Spaß und ist ein tolles Gefühl, wenn man an Bauwerken vorbeikommt, an denen man selbst mitgebaut hat. Man weiß dann, man hat etwas Nachhaltiges erschaffen.“ (mü)