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13.11.17

Autor/Blogger - Schreibender Freelancer: Feels like Traumberuf?

Mit dem Schreiben Geld verdienen, davon gut oder vielleicht noch ein bisschen besser leben können – ein Traum, der viele Schreibwütige antreibt und der auch immer wieder in Erfüllung gehen kann, wie bei Jessika zum Beispiel. Sie ist selbstständige Autorin und Bloggerin und hat uns erzählt, wie das Leben und Arbeiten als selbstständige (aka Freelancer) Schreiberin so ist.


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Foto: Konstanze Wutschig

Hallo Jessika, viele kennen dich zwar schon von „Feels like Erfurt“, aber stellst du dich unseren Lesern trotzdem nochmal kurz vor?

Mein Name ist Jessika Fichtel, ich bin 27 Jahre alt, komme aus der Nähe von Eisenach und wohne seit zweieinhalb Jahren in Erfurt. Im Juni 2015 habe ich mich als Autorin, Texterin und Bloggerin selbstständig gemacht. Das bedeutet, mein Arbeits alltag besteht zum großen Teil aus dem Schreiben kreativer Texte. Das ist seit Schulzeiten mein Berufswunsch gewesen und ich finde es großartig.

Gleich drei Berufe? Gibt´s da denn Unterschiede?

Texter und Autor ist im Grunde genommen das gleiche, ich persönlich mag den Begriff „Texter“ allerdings nicht so gern. Ein Blogger ist jemand, der persönliche Texte – über sich selbst, Reisen, Mode und so weiter – ins Internet stellt. Ich beispielsweise blogge über meine Erlebnisse und Entdeckungen in Erfurt.

Und wolltest du schon immer Autorin und Bloggerin werden?

Ich habe einen Bachelor in Germanistik und einen Master im Bereich Journalismus. Mein ursprünglicher Plan war es, Journalistin bei einer Lokalzeitung zu werden. Irgendwann konnte ich es mir auch vorstellen, die Seiten zu wechseln und in einer Pressestelle zu arbeiten. Der Weg in die Selbstständigkeit war für mich nicht die erste Wahl, sondern eher eine „Not-Entscheidung“. Ich habe einfach keine feste Stelle in der Thüringer Medienlandschaft gefunden. Rückblickend war das mein großes Glück, denn seit meiner Gründung habe ich die Selbstständigkeit keinen einzigen Tag bereut.

Wie hast du dich auf die Selbstständigkeit vorbereitet?

Ich hatte großes Glück, dass mir in der Anfangszeit mein Partner (seit über zehn Jahren selbstständig) und eine gut befreundete Steuerberaterin geholfen haben. Ansonsten habe ich mich nicht auf die Selbstständigkeit vorbereitet, sondern bin mit einer Arschbombe ins kalte Wasser gesprungen :) Learning by doing!

Da ist ja oft ein Thema, bei dem sich gerade die Eltern Sorgen machen, ob das so klappt. Was haben denn deine dazu gesagt?

Anfangs waren sie ein bisschen besorgt, inzwischen sind sie sehr stolz auf mich. 

Viele Freiheiten und keinen Chef im Rücken, der die Arbeitszeiten überwacht und einem sagt, was man wann tun soll. Soweit zum Klischee. Wie ist das Leben – und vor allem das Arbeiten – als Freelancer wirklich?

Ich schätze es sehr, selbst entscheiden zu können, wie mein Arbeitsalltag getaktet ist, mit welchen Leuten ich zusammenarbeite und was für Texte ich schreibe. Als Freelancer, also als Selbstständiger, der mit verschiedenen Kunden auf Auftragsbasis arbeitet, sollte man immer die Möglichkeit haben, zu wählen. Das ist für mich das wichtigste: Nur Projekte machen, die mir Spaß machen und die mich erfüllen – denn das ist aus meiner Sicht der Schlüssel zu einem glücklichen Leben als Selbstständiger (wenn man das so überschwänglich sagen will :D) Wie mein Arbeitsalltag konkret aussieht, habe ich mal in einem Artikel auf meinem Blog beschrieben. Aus dem Beitrag geht auch hervor, dass eine Autorin/Texterin keinesfalls den ganzen Tag schreibt. Ich bin gewissermaßen eine Ein-Frau-Show, die sich auch um Organisatorisches, Marketing, Buchhaltung usw. kümmern muss. Das ist einerseits manchmal sehr anstrengend, sorgt aber andererseits auch dafür, dass mein Beruf (noch) abwechslungsreicher ist.

Das klingt alles sehr verlockend. Aber Selbstständigkeit hat ja nicht nur Vorteile. Was ist, wenn du mal krank bist, Urlaub machen möchtest oder kein neuer Kunde in Sicht ist?

Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Jeder, der das abstreitet, geht viel zu naiv an die Sache ran. Wenn ich Urlaub machen will, muss ich die Zeit in der Regel vor- und nacharbeiten. Bin ich mal krank, arbeite ich trotzdem immer ein bisschen – vom Bett aus. Bisher hat mich noch nichts so sehr in die Knie gezwungen, dass ich den Laptop nicht aufklappen konnte. Klar ist das nicht sonderlich erstrebenswert, aber manchmal muss eben ein Auftrag erledigt werden. Jeder Freelancer wird wissen, was ich meine. Selbstständig sein bedeutet, jeden Tag Achterbahn zu fahren und nie aussteigen zu können. Es gibt immer Hochs und Tiefs Damit muss man umgehen können – beziehungsweise man muss das lernen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auf jede schlechte Phase eine gute folgt. Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich irgendwo eine andere.

Durch welche Türen kommen denn deine Kunden?

Meine Kunden gewinne ich über verschiedene Wege. Mein erster Kunde war mein alter Arbeitgeber aus Studienzeiten. Weitere habe ich über diverse Plattformen für Freelancer gefunden. Diese sind in der Branche aber eher verrufen, weil die Bezahlung nicht so gut ist. Für mich hieß es also: Die Jobbörsen so schnell wie möglich hinter mir lassen. Das gelang mir, indem ich mich mit meinen Texten sichtbar gemacht habe – über Facebook, Xing und Twitter. Mittlerweile kommen die Kunden auf mich zu, weil sie einen Text von mir gelesen haben und gut fanden, weil ich ihnen empfohlen wurde oder auch durch meinen persönlichen Blog Feels like Erfurt. Dieser ist für mich also nicht nur kreative Spielwiese, sondern auch Netzwerk-Hilfsmittel und Akquise-Kanal.

Gibt es eine Autorenszene, in der man sich gegenseitig unterstützt? Oder ist es ein so hart umkämpftes Feld, dass es eher um Konkurrenz geht?

Ja, die gibt es. Die Unterstützung ist in manchen Fällen sogar sehr groß. Natürlich ist man immer verleitet, in anderen Autoren Konkurrenten zu sehen (weil es auch leichter/zeitsparender ist als der kooperative Kurs). Ich habe aber bemerkt, dass man sooo viel voneinander lernen kann, sich gegenseitig unterstützt, motiviert, auf dem Laufenden hält etc. Gerade, wenn man häufig im Home Office arbeitet und nicht den Austausch mit einem fachgleichen Kollegen hat, bleibt man schnell auf der Strecke. Ich empfehle daher jedem eine Art Work-Buddy :) Meiner ist eine befreundete Autorin, die in Nienburg bei Hannover lebt. Wir haben uns durch ein gemeinsames Projekt kennengelernt und noch nie (!) im „wahren Leben“ getroffen.

Aus Freude zu schreiben ist das eine, aber schreiben zu müssen, weil der Auftraggeber wartet, doch sicher nochmal was anderes, oder? Hast du auch mal Schreibblockaden?

Ich nenne es nicht gern Schreibblockade … eher kreative Sackgasse. In solchen Fällen sollte man sich auf keinen Fall zum Schreiben zwingen, sondern etwas anderes machen. Buchhaltung, Social Media, E-Mails schreiben, Recherchieren … es gibt immer etwas zu tun. Wenn es danach immer noch nicht besser geht, beende ich den Arbeitstag und gehe raus. Natur und Sport (bestenfalls in Kombination) helfen mir am besten, aus meiner kreativen Sackgasse rauszukommen.

Was muss man deiner Meinung nach mitbringen, um als Autorin erfolgreich zu sein? Kann man das Schreiben lernen?

Es gibt unzählige Schreibratgeber, Tipps, Workshops und so weiter. Ich denke aber, dass man das Schreiben im Blut haben muss. Ich selbst habe nicht das Gefühl, dass mir jemals wer das Schreiben beigebracht hat. Ich konnte es einfach. Was man ansonsten noch mitbringen muss, ist: Organisation, Selbstdisziplin, Ausdauer, Persönlichkeit, technische Grundkenntnisse und Kommunikationsbereitschaft.

Inzwischen können viele Blogger allein vom Bloggen leben. Wäre das auch ein Ziel für dich?

Ich finde es großartig, meinen Beruf nicht in einem Satz erklären zu können. Inzwischen habe ich mich echt daran gewöhnt, immer mehrere Projekte parallel laufen zu haben und aus allen etwas Positives herauszuziehen. Mit Feels like Erfurt würde ich in Zukunft gern noch mehr Geld verdienen. Aber die alleinige Einnahmequelle soll es nicht sein. Das wäre mir zu unsicher! Die Blogger-Blase kann schließlich jederzeit platzen. 

Liebe Jessika, vielen Dank für deine Zeit!(mü)