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14.02.18

Altenpfleger - Freude am Pflegen

Im Stadtverkehr sind die Autos der mobilen Pflegedienste kaum zu übersehen. Wir haben einfach mal eines angehalten und geguckt, wer da so drin sitzt. Dabei haben wir mit Isabell und Felix zwei Altenpflegeschüler der Linimed GmbH aus Jena getroffen. Wobei Isabell seit letztem Jahr keine Schülerin mehr ist, an die Ausbildung kann sie sich aber noch sehr gut erinnern. Ihr Kollege hat erst vor einem halben Jahr angefangen – und steht noch am Anfang seiner Pflegekarriere. Während er täglich für den mobilen Dienst unterwegs ist, arbeitet Isabell eigentlich in einer ambulanten Kinderintensivpflege-Wohngemeinschaft.


Ausbildung, Thüringen, Altenpfleger, Linimed, Jena

Bilder: Manuela Müller/WiYou.de, Linimed

Isabell hat ihre Ausbildung im letzten Jahr erfolgreich abgeschlossen: „Aufgrund meiner Vorbildung – ich hatte nach der Schule den Sozialbetreuer gemacht und dann mehrere Jahre als Pflegehilfskraft gearbeitet – konnte ich damals gleich ins zweite Lehrjahr einsteigen, normalerweise dauert die Ausbildung drei Jahre.“ So wie bei Felix. Er hat im letzten Herbst begonnen und wechselt im Sommer in das zweite Jahr. „Ich hatte mein Lehramtsstudium abgebrochen und war auf der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive. Mir war wichtig, etwas mit Menschen zu machen. Ich hätte mir auch Erzieher vorstellen können, hab mich aber letztlich für den Altenpfleger entschieden.“

Beide haben sich für die Ausbildung in der Altenpflege zwar bei der Linimed GmbH beworben, wurden aber verschiedenen Bereichen zugeteilt und haben damit auch unterschiedliche Aufgaben. „Ich habe vorher schon als Pflegehelferin in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für Intensivpflege und Beatmung gearbeitet und durfte dort auch die Ausbildung machen“, erzählt Isabell. „Die Hauptaufgaben in diesem Bereich sind das Betreuen und Versorgen der Klienten. Das heißt, ich übernehme die Grundpflege, unterstütze beim Essen, verabreiche Medikamente und kümmere mich um Wundversorgung und Verbandswechsel. Außerdem bin ich der Ansprechpartner für die Angehörigen und halte den Kontakt zu den Ärzten.“

Felix ist der Hauskrankenpflege zugeteilt, dem mobilen Pflegedienst. „Ich fahre zu den Klienten nach Hause und helfe ihnen dort bei der Bewältigung des Alltags. Dazu gehört einkaufen gehen und Essen kochen genauso wie Körperpflege oder Medikamente verabreichen und Wunden versorgen. Letzteres darf ich als Schüler allerdings noch nicht. Grundsätzlich ist man als Schüler auch immer mit einer Pflegefachkraft unterwegs, die meist auch gleich der Praxisanleiter der Ausbildung ist. Am Anfang geht man erstmal nur mit und guckt zu. Nach und nach übernimmt man dann kleinere Aufgaben, wie Essen anreichen oder Kompressionsstrümpfe anziehen.“

Natürlich gehört trotz der Praxisanleitung auch eine umfassende theoretische Ausbildung in der Schule dazu. Felix kann von Samstag bis Mittwoch arbeiten und hat Donnerstag und Freitag Schule, Isabell hatte blockweise Unterricht für ein bis vier Wochen am Stück – das hängt von der jeweiligen Schule ab. Der Inhalt ist aber immer gleich. Einen großen Teil macht die Theorie zur Pflege aus. „Da geht es um Dinge wie: Wie wasche ich einen Menschen richtig? Wie helfe ich beim Essen? Auf was muss ich bei der Umlagerung achten? Außerdem ist Anatomie sehr wichtig. Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers, Krankheitslehre und Arzneimittelkunde gehören da dazu“, erklärt Isabell. „Zwar dürfen wir als Pfleger keine Medikamente verordnen, aber wir sind die, die jeden Tag ganz nah am Patienten sind. Wir müssen Veränderungen feststellen und bei den Medikamenten den Überblick behalten, wissen, wie sie zu verabreichen sind, welche Nebenwirkungen auftreten können und ob es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt“, weiß auch Felix schon.

Für Isabell ist gerade der medizinische Aspekt etwas, das große Verantwortung mit sich bringt. „Davor habe ich auch jetzt noch Respekt. Ich frage mich selbst immer: ‚Erkenne ich, wenn es einem Klienten schlechter geht oder ein medizinischer Notfall vorliegt, ein Schlaganfall zum Beispiel? Und kann ich dann auch richtig reagieren?` Eine andere Sache, die ich mir am Anfang nicht so richtig vorstellen konnte, war das Wechseln des Inkontinenzmaterials bei erwachsenen Menschen. Das war die ersten Male auch nicht so einfach. Aber inzwischen denke ich da überhaupt nicht mehr drüber nach, das gehört einfach dazu. Man sollte in diesem Beruf eben keine Berührungsängste haben.“ Dass das nicht immer so einfach ist, musste auch Felix feststellen. „Ich bin immer noch sehr vorsichtig, weil ich nichts falsch machen möchte. Ich musste zum Beispiel vor kurzem eine hochgradig demente Frau waschen. Ich wusste nicht, ob ich alles richtig mache oder ob sie etwas stört, weil sie sich sprachlich nicht mehr richtig ausdrücken kann. Es hat am Ende zwar funktioniert, war aber schon nicht so einfach.“ Dass Felix als Mann immer noch eine Ausnahme in der Pflege ist, ist dabei weniger ein Problem. „Es gibt immer mal einen Klienten, die sich erst etwas geniert, aber das vergeht immer relativ schnell.“ Am Ende sei es auch gar nicht so entscheidend, ob da ein Pfleger oder eine Pflegerin steht. „Wichtig ist, dass man gut mit Menschen umgehen kann und empathisch ist. Menschen mit einem Helfersyndrom sind hier gut aufgehoben. Aber man muss auch ein bisschen auf sich selbst aufpassen und darf nicht alles an sich heranlassen. Man braucht manchmal ein dickes Fell. Es gibt immer mal Klienten, die ihre schlechte Laune am Pflegepersonal auslassen. Die meisten sind aber sehr dankbar und freuen sich über die Hilfe.“

Auch für Isabell überwiegen die schönen Momente. „Unsere Arbeit ist viel mehr als pflegen. Wir begleiten die Menschen auf einem Teil ihres Lebens, sind Teil ihres Lebens und oft auch eine Art Familienersatz. Ich konnte mal einer alten Dame dabei helfen, wieder Kontakt zu ihrem Sohn aufzubauen und ihre Enkel kennen zu lernen. Aus solchen Momenten nehme ich für mich auch unheimlich viel mit.“

Ein weniger schönes Thema, das gerade in der Altenpflege aber auch zum Alltag dazugehört, ist das Versterben von Klienten. „Grundsätzlich pflegen wir unsere Klienten mit dem Ziel, das diese auch wieder oder auch weiterhin eigenständig ihren Alltag bewältigen können.“ 

Isabell hat sich nach dem Ende ihrer Ausbildung für den Bereich Kinderintensivpflege im gleichen Unternehmen entschieden. „Man kann unter den Pflegebereichen wechseln, da die Ausbildungen sehr ähnlich sind. Es werden nur andere Schwerpunkte gesetzt. Das kann man mit zusätzlichen Weiterbildungen innerhalb des Unternehmens aber ausgleichen. Ich bin jetzt in einer ambulanten Wohngemeinschaft für die intensive Pflege und Betreuung von Kindern. Auch das macht mir sehr viel Spaß. Egal, wo man in der Pflege arbeitet, man hat keinen Acht-bis-sechzehn-Uhr-Bürojob. Man ist immer auf den Beinen und das auch nachts oder an Wochenenden und Feiertagen, darauf muss man sich einstellen. Ich könnte es mir aber auch gar nicht vorstellen, nur immer an einem Schreibtisch zu sitzen“, findet Isabell. „Und man hat ja auch immer als Ausgleich freie Tage.“

Felix hat in der mobilen Pflege zwar keine Nachschicht, aber auch er muss morgens sehr zeitig raus oder ist abends länger unterwegs. „Wir bekommen von der Pflegedienstleitung einen Plan, in dem steht, welchen Klienten wir wann besuchen müssen, was dort zu tun ist und wieviel Zeit dafür eingeplant ist. Das kann schon auch mal stressig werden, wenn man mal etwas mehr Zeit braucht als eingeplant. Das Schöne ist, dass unsere Klienten in Teams aufgeteilt werden und sich immer dieselben Pfleger um dieselben Klienten kümmern, so kann man sich sehr gut auf die Klienten einstellen und sie besser kennen lernen. Ich weiß noch nicht genau, in welchem Bereich (Intensivpflege, Kinderintensivpflege, Hauskrankenpflege oder betreutes Wohnen) ich nach der Ausbildung arbeiten möchte, Sorgen um einen Arbeitsplatz werde ich mir nicht machen müssen, Altenpfleger werden immer gebraucht.“ (mü)