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18.06.20

Als Wasserspender in Afrika

In seinem Beruf als Fachkraft für Wasserversorgungstechnik sorgt Benedict dafür, dass viele tausend Thüringer zu jeder Zeit frisches Trinkwasser bekommen. „Ich wollte aber auch in meiner Freizeit noch etwas Sinnvolles tun. Warum dafür nicht die beruflichen Fähigkeiten nutzen?“, dachte sich Benedict. Beim Technischen Hilfswerk (THW) fand er das passende Hilfsprojekt dazu.


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Als Wasserspender in Afrika|Fotos: THW

„Es gibt beim THW eine Sondereinheit, die sich um Trinkwasseraufbereitung und –versorgung im Ausland kümmert, die SEEWA Schnell-Einsatz-Einheit-Wasser-Ausland.“ Allerdings steigt man da nicht einfach am nächsten Tag ins Flugzeug. Erstmal musste Benedict Bewerbungsgespräche und  Vorbereitungslehrgänge absolvieren und sich auch um notwenige Impfungen und Papiere kümmern. Das alles hat insgesamt ein Jahr gedauert. Daran schloss sich Anfang letzten Jahres eine dreimonatige Bereitschaft an. „Da kann jederzeit ein Anruf vom THW kommen. Bei mir kam der erst kurz vorm Ende, als ich schon nicht mehr damit rechnete. Ich hatte drei Tage Zeit zum Packen. Das ist schon sehr komfortabel. Manchmal sind es auch nur ein paar Stunden von der Meldung bis zum Abflug. Man wird allerdings nochmal gefragt, ob man wirklich teilnehmen kann. Der Arbeitsausfall wird übrigens zwischen THW und Arbeitgeber geklart und man bekommt ganz normal sein Gehalt.“

Los ging es dann erstmal zu einem Briefing nach Frankfurt, wo Benedict die anderen Kameraden traf und mehr über den Einsatz und seine Aufgabe erfuhr. Das Ziel war ein Dorf in Mosambik, wo ein Zyklon gewütet und ganze Ortschaften zerstört hatte.

Dort angekommen wartete nicht nur der Klimaschock. „Am Flughafen war unheimlich viel Trubel, viele andere Hilfsorganisationen und Chaos. Unsere erste Nacht verbrachten wir in einer Unterkunft weit entfernt von europäischen Standards. Es gab keinen Strom, kein Wasser. Da kamen mir kurz Zweifel, ob das wirklich eine gute Idee war.“ Das hatte sich aber am Tag danach schon wieder gelegt, als Benedict mit den anderen in das Einsatzgebiet fuhr. „Vor uns war schon ein Erkundungsteam vor Ort und hatte einen Platz für unser Lager gefunden.“ Das THW hat in Deutschland fertig gepackte Module in einem Zentrallager, die dann innerhalb weniger Stunden mit Transportflugzeugen weltweit verschickt werden können, damit die Teams vor Ort alles haben, was sie brauchen. Mit der Ausrüstung den Lagerplatz zu erreichen, war aber auch erstmal eine Herausforderung. „Es gab keine richtigen Straßen und die LKW fuhren sich immer wieder fest. Es dauert fast einen ganzen Tag, bis wir dort waren, wo wir dann unser Camp und die Aufbereitungsanlage aufbauen  konnten. Für die Dorfbewohner waren wir dann wie Exoten, aber wir fühlten uns jederzeit willkommen. Es gab sogar eine Rede vom Bürgermeister zur Begrüßung. Die Menschen dort hatten vorher schon nicht viel und durch den Zyklon dann auch noch das wenige verloren. Sämtliche Brunnen der Umgebung waren kontaminiert und konnten nicht genutzt werden.“

Das Team baute erstmal eine Notfallwasserversorgung auf, so dass sich jeder frisches Wasser holen konnte, und fing dann an, mit den Bewohnern gemeinsam die Brunnen und alten Anlagen wieder  instandzusetzen. „Man lernt dabei, unter anderen Umstanden zu arbeiten. Dort kann man nicht einfach in den Baumarkt fahren und ein Ersatzteil besorgen. Man fährt überall rum und wenn es überhaupt eines gibt, kann es mehrere Tage dauern, bis man es bekommt. Dafür erhält man aber auch eine ganz andere Wertschätzung.“

Benedict blieb dreieinhalb Wochen. „Nach mir kamen noch zwei weitere Teams, die die Arbeit fortgesetzt haben. Ende Mai waren die Brunnen dann wieder sauber, die Wasserversorgung für das Dorf gewährleistet und das Lager wurde abgebaut.“ Ruckblickend habe er dort auch nur seine Arbeit gemacht. „Aber ich habe für mich persönlich viel mitgenommen. Man bekommt eine andere Sicht auf die Dinge und versteht auch, warum Menschen in anderen Ländern anders handeln. Ich wurde auf jeden Fall wieder an einem Einsatz teilnehmen.“ Und das sagt er nicht nur so: Ab Juli ist Benedict wieder in Bereitschaft. (mü)