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16.02.18

Hebamme/Entbindungspfleger - Der schönste Beruf der Welt

Das klingt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber wer schon mal ein neugeborenes Baby im Arm hatte, kann sich vielleicht vorstellen, was Hebammen an ihrem Beruf so schön finden. Doch auch, wenn die Geburt gemeinhin als die natürlichste Sache der Welt gesehen wird, die Ausbildung im Hebammenberuf hat es in sich. Die Fachfrauen – und männer, die heißen dann Entbindungspfleger – müssen pflegerisch und medizinisch fit sein, und auch dann noch einen kühlen Kopf bewahren, wenn eine Geburt nicht nach Lehrbuch verläuft. Wie umfassend die Ausbildung in diesem Beruf ist, weiß die 27jährige Hannika, die in wenigen Monaten ihren Abschluss machen wird und schon für die Prüfungen lernt.


Ausbildung, Thüringen, Hebamme, Erfurt, Entbindungspfleger

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Hannika kommt ursprünglich aus Mannheim und ist für die Ausbildung nach Erfurt gezogen. „Ich wollte früher schon Hebamme werden, habe das aber damals nicht ernsthaft verfolgt und mich nach dem Abi erstmal für das Psychologie studium entschieden. Während des Studiums hat mir ein Praktikum in der Psychatrie jedoch gezeigt, dass das nicht das ist, womit ich später mein Geld verdienen will.“ So kam Hannika wieder zu ihrem ursprünglichen Berufswunsch Hebamme zurück. Eine Ausbildungsstelle fand sie beim Helios-Klinikum in Erfurt. Dort erlernt sie die Berufspraxis. Und die umfasst mehr, als Babys auf die Welt zu helfen.

Eine Hebamme ist die Fachfrau für die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Das heißt, sie betreut die Frau von der Empfängnis bis zum Ende der Stillzeit, das kann bis zu zwei Jahre dauern. Sie übernimmt die Schwangerschaftsvorsorge, medizinische Untersuchungen wie Blutdruck messen, Urinkontrolle, Lage und Herztöne des ungeborenen Kindes überwachen und achtet auf Unregelmäßigkeiten während der Schwangerschaft. Und sie ist natürlich auch bei der Geburt dabei, egal ob im Kreißsaal, im Geburtshaus oder auch zuhause. Sie betreut Mutter und Kind direkt nach der Geburt und besucht sie in der Wochenbettzeit, die sechs bis acht Wochen dauert, täglich. Da kontrolliert sie unter anderem die Entwicklung des Kindes, die körperliche Rückbildung bei der Mutter, unterstützt bei der Pflege des Säuglings und hilft zum Beispiel bei Stillproblemen oder Fragen der Ernährung. „Allerdings macht nicht jede Hebamme immer alles. Gerade in einer Klinik ist man oft nur in einem Bereich, also zum Beispiel nur im Kreißsaal oder auf der Wochenbettstation. Aber man lernt während der Ausbildung auch die anderen Bereiche kennen. Außerdem gehören verschiedene Praktika außerhalb der Klinik dazu, unter anderem in einer Arztpraxis und bei einer freien Hebamme, die wiederum seltener bei einer Geburt dabei ist und dafür viel mehr in der Vor- und Nachbetreuung arbeitet.“

Auch wenn Hannika als Hebamme medizinische Untersuchungen durchführt, für die Behandlung ist sie nicht zuständig. Trotzdem braucht auch sie viel medizinisches Wissen: „Ich muss feststellen, wenn etwas nicht in Ordnung ist und ab wann etwas behandelt werden muss und dann an einen Arzt überbeweisen. Sowohl in der Vor- und Nachsorge, als auch während der Geburt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Kind falschherum liegt, die Geburt nicht weiter voranschreitet, starke Blutungen auftreten oder beim Neugeborenen Anpassungsstörungen auftreten.“

Die theoretische Ausbildung erfolgt in der Berufsschule, in Hannikas Fall ist das die Marie-Elise-Kayser-Schule in Erfurt. „Wichtige Fächer sind Schwangerschaft und Geburtshilfe und Säuglingspflege. Dazu kommen Anatomie, allgemeine Krankenpflege, Innere Medizin und schließlich auch rechtliche und wirtschaftliche Inhalte. Das ist viel zu lernen. Aber ich finde es nicht unmöglich. Das Gute, und der Grund, und warum ich mich gegen das Studium und für die duale Ausbildung entschieden haben, ist die sehr enge Verknüpfung von Theorie und Praxis. Wenn ich etwas immer wieder anwenden muss, verinnerliche ich das irgendwann schon automatisch.“ Das gilt auch für praktischen Unterricht, der regelmäßig auch in den Praxisräumen in der Klinik stattfindet. Dort üben die angehenden Hebammen Handgriffe wie das Babybad, CTG-Anlegen oder Blutdruckmessen.

Aber auch in der echten Praxis sind sie von Anfang an dabei. „Das geht in der zweiten Woche auf der Station los. Erstmal nimmt man die Schwangeren in Empfang und bleibt die ganze Zeit bei ihnen und hält die verantwortliche Hebamme auf dem Laufenden. Nach und nach kommen dann weitere Aufgaben dazu und nach einem halben Jahr kann man die Aufnahmeuntersuchungen, wie Blutdruck messen und CTG anlegen schon relativ selbstständig durchführen. Allerdings ist während der gesamten Ausbildungszeit immer eine Hebamme in der Nähe.“

Hannika erlebte ihre erste Geburt während eines Praktikum noch vor der Ausbildung. „Das war was ganz Besonderes. Und auch die erste Geburt, die ich selbst betreut habe, werde ich nie vergessen. Man gewöhnt sich schon ein bisschen dran, aber es gibt immer wieder Fälle, die einem besonders ans Herz gehen. Leider gibt es auch die Situationen, die nicht schön sind. Nicht immer kommen Kinder lebend auf die Welt. Und manchmal stirbt ein Kind während der Geburt oder kurz danach. Darauf muss man sich in diesem Beruf einstellen.“ Hannika muss dann nicht nur selbst damit zurechtkommen, sondern sich vor allem auch um die Eltern und die Angehörigen kümmern. „Das ist nicht so leicht. Wir haben dafür auch extra Unterricht in Psychologie.“

Ein weitere Sache, über die sich angehende Hebamme klar sein müssen, ist die Arbeitszeit. Babys kommen rund um die Uhr zur Welt, und zwar auch an Wochenende und Feiertagen. „Auch während der Ausbildung arbeitet man, wenn man über 18 ist, schon im Schichtsystem. Ich war am Anfang skeptisch, aber ich habe mich schnell dran gewöhnt. Auch das gehört eben dazu, wenn man den schönsten Beruf der Welt lernt.“

Ein wenig Respekt hat Hannika vor der Zeit nach dem Abschluss im Sommer, wenn sie als Hebamme allein die Verantwortung übernehmen wird. Stellen wird sie sich ihr in einer Klinik mit einem Schwerpunkt auf natürliche Geburtshilfe. „Ich könnte auch als freie Hebamme arbeiten, aber Frauen im Kreißsaal durch die Geburt zu begleiten macht mir wahnsinnig viel Spaß, das möchte ich weiterhin machen.“ Denjenigen, die sich für den Beruf Hebamme interessieren, rät Hannika, unbedingt vorher bei einem Praktikum zu schauen, ob das auch wirklich das Richtige ist. „Man muss erstmal selbst eine Geburt miterlebt haben, um zu wissen, ob man damit klarkommt.“

Übrigens: Es ist ein klassischer Frauenberuf. Entbindungspfleger sind noch die absolute Ausnahme – in Hannikas Klasse gibt es nur einen Schüler und deutschlandweit zurzeit nur fünf ausgebildete Entbindungspfleger. Aber nicht nur Hannika findet, dass sich das auch ändern könnte: „Männliche Frauenärzte sind ja heute schon völlig normal, vielleicht ist das auch irgendwann bei den Entbindungspflegern so.“ (mü)