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06.06.16

Augenoptiker - Hier gibts was aufs Auge

Na, musst du auch die Augen zusammenkneifen, um das Schild in der Ferne lesen zu können oder kann das Smartphone gar nicht weit genug weg liegen, weil du die Schrift so nah vorm Auge einfach nicht erkennst? Dann führt dich dein Weg früher oder später zu Nadja. Die ist nämlich angehende Augenoptikerin bei Apollo in Erfurt und findet für dich – egal welche Fehlsichtigkeit – die passende Sehhilfe. Doch nicht nur das: Auch Sonnenanbeter und Tiefseetaucher bekommen von Nadja fachmännisch was aufs Auge.


Ausbildung, Thüringen, Augenoptiker, Apollo, Handwerk

Bild: Manuela Müller/WiYou.de

„Ich habe nach dem Abitur ein Studium angefangen, aber das war nicht so das Richtige. Deshalb habe ich mich dann doch nach einer betrieblichen Berufsausbildung umgeschaut. Ich wollte mehr etwas in Richtung Handwerk machen, aber auch mit Kunden arbeiten. Der Beruf Augenoptiker bot beides, also habe ich mich dafür beworben und nach einem dreitägigen Schnupperpraktikum meine Ausbildung bei Apollo begonnen.“

Nadja ist inzwischen schon im zweiten Lehrjahr und hat die verschiedenen Arbeitsbereiche eines Augenoptikers kennengelernt. „Wir kümmern uns um klassische Korrektionshilfen wie Brillen und Kontaktlinsen, aber auch Sonnenbrillen und Schwimmbrillen.“ Wenn jemand zum Beispiel wegen einer neuen Brille in den Laden kommt, bespricht Nadja mit ihm zuerst, was genau er sich denn vorgestellt hat und macht einen Sehtest, um die richtigen Werte zu erhalten. „Dann schauen wir gemeinsam nach einer Fassung und welche Eigenschaften die Gläser haben sollen.“ Ist alles geklärt, geht der Kunde erstmal wieder nach Hause und ich mache die Bestellung für die Produktion fertig.“

Wenn von dort dann nach ein paar Tagen die Gläser geliefert werden, geht es für Nadja in der Werkstatt weiter. „Dort bringe ich die Gläser in die richtige Form, erst durch Abbröckeln mit einer Zange, dann durch Schleifen an der Maschine. Gerade am Anfang ist da viel Geduld gefragt, man hält das Glas von Hand an den Schleifstein, da springt es einem schon mal weg oder die Form stimmt am Ende nicht ganz genau. Wenn das Glas passt, wird es abgekantet und in die Fassung eingesetzt. „Außer bei randlosen Brillen, da müssen noch kleine Löcher ins Glas gebohrt werden. Das ist nicht so einfach und kommt erst im dritten Lehrjahr dran.“ Sitzen die Gläser, kontrolliert Nadja erneut die Fassungsform und reinigt noch mal alles. Zur Übergabe an den Kunden wird dann nochmal geguckt, ob wirklich alles passt und die Brille richtig sitzt.“ Neben dem Neuanfertigen gehören auch das Reparieren von Brillen und das Austauschen von Brillenteilen, wie Nasenpads zum Beispiel oder zerkratzten Brillengläsern, zu Nadjas Aufgaben.

Alles, was Nadja zu Sehhilfen, Werkstoffen und Verarbeitungstechniken wissen muss, lernt sie in der Berufsschule. „Das ist schon sehr umfangreich. Neben den physikalischen Grundlagen stehen Augenkrankheiten, Augenaufbau und Schädelanatomie auf dem Plan. Auch zur Kundenberatung lernt man was. Das Wesentliche, also das Gefühl für den Kunden, das bekommt man aber in der Praxis mit.“ Dafür steht Nadja übrigens auch am Wochenende hinter dem Tresen. „Man muss wissen, dass man nicht um vier Schluss oder Samstag immer frei hat – aber ich hab mich da schnell dran gewöhnt und mach die Arbeit ja auch sehr gern.“

Besonders viel Spaß gemacht hat Nadja das Azubiprojekt, an dem sie im zweiten Lehrjahr teilnahm. „Da haben wir Azubis für vier Wochen eine Filiale selbst geleitet und einen ganz anderen Blick auf das ‚Dahinter‘ bekommen. Auf Organisation und Marketing etwa – es ist spannend zu erfahren, welche Aufgaben ein Filialleiter zusätzlich hat.“ Ob sie später auch einmal eine Filiale leiten möchte, weiß Nadja heute noch nicht. (mü)