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28.07.2010 13:07 Alter: 2 yrs

Messerscharf ist nicht genug!

Ganz gleich ob Mann oder Frau, Mädchen oder Junge, irgendwann kommst auch du einmal dazu, die Körperpflege auch mit dem Stutzen oder Entfernen der Körperhaare zu verbinden. Das geht auch ganz fix; ein wenig Wasser, etwas Schaum, einfach mit dem Rasierer drüber und Beine oder Gesicht sind haarlos und weich. Alles, was du dazu brauchst, gibt`s in der Drogerie.   Aber das wichtigste Element, der Rasierer selbst, ohne den nichts geht, durchläuft einen ziemlich aufwändigen Prozess, an dem hunderte Menschen beschäftigt sind. Einige davon kommen aus Thüringen. Hier, ganz im Süden, bei der Firma Feintechnik in Eisfeld, Nassrasierer in allen möglichen Formen und Farben. WiYou war für dich unterwegs und hat sich einige Stunden lang die Geburt eines Nassrasierers angesehen.

Im Prinzip besteht ein Rasierer nur aus zwei Komponenten: Kunststoff für den Griff und Metall für die Klingen. Die Produktion der Kunststoffteile ist relativ einfach. In großen Maschinen werden Kunststoffe geschmolzen und in die passende Form gebracht. Damit die Griffe auch gut in der Hand liegen und nicht wegrutschen, wenn sie nass werden, bekommen sie noch einen Gummibelag.

 

Komplizierter wird es bei der Herstellung der Klingen. Am Anfang stehen große Rollen mit einem Stahlblechband. Das ist entweder aus Edelstahl oder aus Karbonstahl. Beide durchlaufen den ersten Stanzprozess und bekommen die typische Form einer Rasierklinge. Am Ende der Maschine kommen dann hunderte Meter Rasierklingen an einem Stück heraus und werden erneut aufgerollt und dann gehärtet. Würden sie vorher gehärtet, wäre der Verschleiß der Stanzmaschinen zu hoch.

 

In der Härtung werden die Rasierblechstreifen auf gut 1.200 Grad erhitzt und sofort auf minus 70 Grad abgekühlt, um sogleich wieder auf mehr als 300 Grad erwärmt zu werden. Dadurch verändert sich die molekulare Struktur des Metalls und es wird härter und widerstandsfähiger. Dann dürfen die Metallstreifen etwas langsamer auf Zimmertemperatur abkühlen und werden wieder aufgerollt.

 

Aber noch sind die Metallbänder an den Seiten stumpf. Der Schleifprozess macht aus ihnen erst die sprichwörtlich rasierklingenscharfen Metallstücke. Während der Karbonstahl in einem Winkel von 27 Grad geschliffen werden kann, bekommen die Edelstahlklingen „nur“ einen Winkel von 30 Grad, sind also weniger scharf. Das liegt ganz einfach an den Molekularstrukturen der Metalle. Würde man den Edelstahl in einem kleineren Winkel schleifen, wäre die Schnittkante uneben und sieht unter einem Elektronenmikroskop ausgefranst aus. Das macht sich natürlich beim Rasieren bemerkbar. Der Karbonstahl dagegen bleibt weiterhin gleichmäßig eben. Aber Karbonstahl lässt sich nicht beschichten und so sind die Klingen nach dem Schleifen im Prinzip schon fertig. Ganz anders der Edelstahl. Er bekommt noch eine hochfeine Chromschicht und eine Schicht aus PTFE, das als Teflon bekannt ist. Dadurch wird die Rasur besonders komfortabel. Also obwohl die Karbonklinge technisch gesehen schärfer ist, rasiert es sich mit Edelstahl sanfter.

 

Warum nun aber zwei verschiedene Klingen mit unterschiedlichen Schärfen? Das liegt ganz einfach daran, dass es auch unterschiedliche Haartypen gibt. In Europa wird sich überwiegend mit Edelstahl rasiert, in Afrika eher mit Karbon. Der hellhäutige Europäer hat dünnere Barthaare, die auch mit den stumpferen Klingen gut zu schneiden sind. Der dunkelhäutige Afrikander dagegen hat sehr starke Barthaare, die sich mit einer Karbonklinge besser kürzen lassen. Bedenkt man, dass ein Barthaar etwa den Widerstand eines gleichdicken Kupferdrahtes hat, wird klar, welche Belastungen eine Klinge aushalten muss. Die klassische Rasierkklinge hält daher nur eine gute Woche. Moderne Klingen, wie sie bei Schneideinheiten mit drei oder gar fünf Klingen eingesetzt werden, können schon vier Wochen genutzt werden. Bei den vielen Menschen, die sich mit dem Rasieren ihrer Haare beschäftigen und nach recht kurzer Zeit neue Klingen benötigen, sind die Produktionszahlen der Feintechnik nicht überraschend. Aber dennoch ist es beeindruckend, dass pro Jahr bis zu 400 Tonnen Stahl zu über 1,2 Milliarden Rasierklingen veredelt werden. Und aus diesen Klingen werden dann etwa 600 Millionen Schneideinheiten,die mit Griff oder als Nachfüllpackung verkauft werden.

 

Dass die Schneideinheiten auch gut funktionieren liegt in den Händen von rund 250 Beschäftigten in Eisfeld. Mit den Klingen selbst und dem Einsetzen der Klingen in Schneideinheiten haben die Angestellten gar nichts zu tun. Handarbeit wäre hier zu gefährlich und unhygienisch dazu. Stanzen, Härten, Schleifen und letztlich das Abbrechen der einzelnen Klingen aus dem langen Metallband, übernehmen Maschinen. Erst nach der Herstellung des eigentlichen Rasierers mit Klingenkopf und Griff kommen die Mitarbeiter in direkten Kontakt mit den Produkten. Sie werden sortiert, verpackt und anschließend in die ganze Welt geliefert. Die Rasierer der Feintechnik aus Eisfeld findest du in vielen Ketten Deutschlands als deren Handelsmarken.

 

Als Thüringer kannst dich aber nicht nur mit den Rasierern aus heimischer Produktion verschönern, sondern auch vor Ort selbst dabei sein, wenn sie entstehen. Derzeit arbeiten zwölf Azubis in Eisfeld, aber das Unternehmen würde gern auf 15 oder 16 Aufstocken. Du kannst hier deine Ausbildung als Industriemechaniker beginnen und bist mit der Betreuung und Instandsetzung der technischen Anlagen beauftragt. Als Verfahrensmechaniker bedienst du die Spritzgussmaschinen für die Kunststoffteile, als Werkzeugmechaniker kümmerst du dich um Ersatzteile für Maschinen und Anlagen und als Maschinen- und Anlagenführer bedienst du Schleifmaschinen, Stanz- und Druckmaschinen. Der Mechatroniker, der hier auch ausgebildet wird, darf neben den mechanischen Anlagen auch die Steuerungstechnik und Elektronik bearbeiten.(su)

 

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