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28.07.2010 13:06 Alter: 2 yrs

Die vielen Stars hinter der Kamera

 „Sieh nicht so viel Fern! Fernsehen macht dumm“, hast du sicher schon oft gehört. Ob das nun stimmt oder nicht, hängt vor allem davon ab, was du dir im TV ansiehst. Soaps sind sicher weniger informativ als eine Dokumentation. Aber Fakt ist: Das Fernsehen ist auch Bestandteil deines Alltags. Nachrichten, Serien und Filme gehören ganz einfach dazu. Aber ohne die tagtägliche Arbeit tausender Mitarbeiter in den verschiedenen Sendern, würde dein TV-Gerät nicht viel mehr als ein monotones Rauschen von sich geben.

Hast du vor, eine Karriere im Fernstehen zu beginnen, bleibt dir, mit Ausnahme einiger kleiner lokaler Sender, in Thüringen nur das Landesfunkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks in Erfurt. Neben den regionalen Nachrichten und Unterhaltungssendungen wird in Erfurt auch ein Großteil des Kinderkanals KI.KA produziert. Der KI.KA selbst ist kein eigenständiger Sender, sondern das gemeinschaftliche Kinderfernsehen der ARD-Sender und des ZDF. Das heißt, jeder Sender, sei es der Norddeutsche Rundfunk, der Hessische Rundfunk oder eben das ZDF, produziert in seinen eigenen Studios in Hamburg, Frankfurt oder Mainz eigene Sendungen fürs Kinderfernsehen und schickt sie dann nach Erfurt. Hier werden die einzelnen Sendungen zu einem Tagesprogramm zusammengesetzt und ausgestrahlt. Das klingt nun recht unspektakulär und überschaubar. Dahinter steht aber ein riesiger Aufwand, denn alles muss perfekt sein. Kleine Patzer, die immer wieder passieren, sind Ausnahmen, die nun einmal passieren. Auch beim Fernsehen arbeiten nur Menschen. Die meisten dieser Menschen siehst du aber gar nicht. Hinter jedem Schauspieler oder Moderator steht ein riesiges Team aus Technikern, Redakteuren und Gestaltern.

 

Warum sieht denn der Moderator einer Sendung im Fernsehen immer so gut aus? Nicht alles ist natürliche Schönheit. Schon viele Stunden vor Beginn der Sendung sind die Fernsehstars im Funkhaus. Da ist es im Studio noch dunkel. Als erstes sitzen die Akteure am Schreibtisch und lesen den Plan ihrer Sendung. Denn schon Tage zuvor haben Redakteure und deren Assistenten die Sendung entworfen. Wer sagt wann was zu wem. Alles ist auf die Minute festgelegt. Auch die meisten Texte sind schon geschrieben. Das, was der Moderator einer Sendung so frei weg erzählt hat sich zum größten Teil jemand anders ausgedacht. Wenn auch nicht immer wortwörtlich, so doch aber inhaltlich. Wenn nun der Sendeablauf für den Moderator steht geht es weiter in den Kostümraum. Hier werden die Klamotten fit fürs Fernsehen gemacht. Zwar treten die Darsteller meistens in ihren privaten Sachen auf, manchmal brauchen sie aber passend zum Programm etwas Spezielles. Manche Kostüme sind so speziell, dass sie auch beim Fernsehen nicht einfach auf der Stange hängen. Dann wenden sich die Mitarbeiter vom Kostüm an Kollegen vom Theater und leihen sich aus deren Fundus etwas Passendes aus. Für den Auftritt vor der Kamera gibt es aber einige Tabus. Feine Streifen oder kleine Karos auf der Kleidung gehen gar nicht. Sie erzeugen zu Hause auf dem Fernseher ein unruhiges Flimmern und das ist nicht gut fürs Auge. Auch ganz weiße Sachen sind nicht gut. Da die Studios mit extrem viel Licht ausgeleuchtet sind, strahlt das Weiß so heftig, dass es das Auge des Fernsehzuschauers blendet. Die Kostümbildner haben dafür aber ein paar Tricks auf Lager. Denn was wäre eine Krankenhausserie ohne Chefarzt im weißen Kittel. Bei der Aufzeichnung tragen die Arztdarsteller Kittel, die vorher mehrmals mit schwarzen Sachen in einer Maschine gewaschen wurden und dann einen unschönen Grauschleier haben. Durch die Ausleuchtung im Studio ist das echte graue Weiß im Fernsehen wieder ein leuchtendes Weiß.

 

Sobald die Kleidung stimmt, geht es nach nebenan in die Maske. Auch wenn die Aufzeichnungsstudios alle klimatisiert sind, erzeugen die vielen Lampen so viel Wärme, dass die Darsteller schwitzen. Glänzende Nase und glänzende Stirn sehen nicht gut aus, also gibt’s vorher ordentlich Make-up und Puder. Außerdem kriegen die Akteure hier eine ordentliche Frisur verpasst. Männer brauchen meistens etwa eine viertel Stunde zum Schminken, bei Frauen dauert es gut eine halbe Stunde. Übrigens wird in der Maske zwischen normaler Sendung und hoch auflösendem Digitalfernsehen unterschieden. Beim herkömmlich analogen Fernsehen wird die Schminke mit Pinsel und Schwamm aufgetragen, beim digitalen Fernsehen wird sie mit Airbrush aufgesprüht. Da geht es zu wie in der Autolackiererei. Das liegt daran, dass hoch auflösendes Fernsehen kleinste Unebenheiten, die beim Auftragen mit dem Schwamm entstehen aufnimmt und das Gesicht dann fleckig und uneben aussieht. Die Maskenbildnerin ist auch während der Sendung oder Aufzeichnung immer mit dabei. In jedem Moment, in dem der Moderator nicht im Bild ist, wird das Gesicht nachgepudert damit immer alles perfekt ist. Und weil beim Fernsehen immer alles perfekt sein muss, geht es dann zur Durchlaufprobe.

 

Das, was der Redakteur sich vorher ausgedacht hat, gehen die Beteiligten nun zum Test einmal durch, damit jeder zur rechten Zeit am rechten Fleck steht und immer auch von einer Lampe angestrahlt wird. Nun herrschen im Studio und in der Regie schon Hochbetrieb. Jeder ist an seinem Platz und kennt seine Aufgabe. Das Zentrum der Sendung ist nun neben dem Studio die Regie. Und weil Fernsehen sowohl Bild, als auch Ton ist, gibt es eine Bild- und eine Tonregie. Jede Kamera, im Studio des KI.KA sind es vier, hat einen eigenen Monitor. Es gibt auch Monitore, in denen kleine Filme, die in die Sendung eingespielt werden, laufen und dann ins Programm zugeschaltet werden. Jeder Bildschirm hat eine Aufgabe und jeder in der Regie weiß, welchen Monitor er überwachen muss. Und über alles wacht jetzt der Regisseur. Er hat, wie alle anderen auch, einen Sendeplan, den der Redakteur zuvor verfasst hat, vor sich liegen. Er bestimmt nun, welche Kamera in welcher Position welchen Akteur aufnimmt, welche Musik eingespielt wird und wann ein Film abgefahren wird.

 

Im Nachbarraum kümmert sich die Tonregie um den Klang der Sendung. Denn manchmal spricht einer der Moderatoren leiser und mal lauter, mal höher und mal tiefer. Damit du das an deinem Fernseher aber nicht mitbekommst, gleichen Tontechniker die Unterschiede elektronisch aus. Hier werden auch Musikbeiträge eingespielt und wenn in der Sendung jemand singt, dann spielt die Tonregie entweder Text und Instrumente, das Vollplayback, oder nur die Musik, wenn der Künstler selbst singen mag, als Teilplayback ein. Als Gast im Studio bekommst du davon nichts mit. Auf der Zuschauerbank wirkt die Sendung ganz andres als im Fernsehen. Das ist das Werk der vielen Profis im Funkhaus. Möchtest du einer dieser Profis beim Fernsehen sein, gibt es viele Berufe für dich, bei denen deine Kreativität gefragt ist. Allerdings bringt ein Job beim Fernsehen oder Radio alles andere als die Entspannung, die du als Zuschauer erlebst. Gesendet wird rund um die Uhr und das Programm wartet nicht. Das heißt viel Stress und lange Arbeitstage. Belohnt wirst du aber immer durch die Zusammenarbeit in einem echten Team und dann und wann kannst du einer großen Berühmtheit auch mal einfach so die Hand geben. Und dümmer ist noch keiner geworden, der beim Fernsehen arbeitet. (su)

 

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