Ein Bilderrätsel - Leben in der Schulküche
Wo einst hunderte Essen gekocht, verteilt und von hungrigen Schülern und Lehrern verspeist wurden, entstehen nach Jahren des Leerstandes 4 schöne Mietwohnungen. Das Gebäude der ehemaligen Schulküche Holzhausen wurde im Jahr 2007 von der Verwaltungsgemeinschaft verkauft und nun von der Baugesellschaft an der Wachsenburg mbH saniert.
Anfang der 80iger Jahre wurde als erstes der (spätere) Speisesaal gebaut. Eine Trennwand teilte den großen Raum, sodass zwei Zimmer als Unterrichtsräume dienten. Die Schulküche der POS Holzhausen (Polyteschnische Oberschule) entstand später. Von Suppe, Reis- und Griesbrei über Nudeln mit Tomatensoße sowie Kartoffeln mit Goulasch und Nachtisch – das Essen schmeckte und war gesund. Die fleißigen Frauen kochten bis zu 600 Portionen pro Tag. Davon wurden 170 – 180 Essen in der Schule ausgegeben, die anderen an Kindergärten, Arnstädter Schulen, die Volkssolidarität und an Senioren geliefert. In den so genannten „Milchpausen“ gab es die tägliche Portion Milch. Es gab Vanille-, Schoko-, Erdbeere- und Ananasgeschmack, auf die die Schüler schon sehnsüchtig nach der 2. Unterrichtsstunde warteten. In den späten 80iger Jahren, als in der Hugo-Gräf-Oberschule noch zirka 300 Schüler bis zur 10. Klasse aus Holzhausen, Haarhausen, Sülzenbrücken, Röhrensee und Bittstädt unterrichtet wurden, nutze man den Speisesaal auch als „Aula“ zu Feierlichkeiten.
Um dem Saal eine künstlerische Note zu geben, erhielt der Raum ein großes Wandbild. Es war 1,70 Meter hoch und insgesamt 8,82 Meter breit und konnte in sieben 1,26 Meter breite Einzelstücke aufgeteilt werden. Darauf waren unter anderem folgende Details zu sehen: eine Stadt am Meer, ein Gelehrter mit Hut und Stock, ein fliegender Teppich, eine kindlich gemalte Taube, Pferd mit Reiter, eine Menschenschar sowie die Wachsenburg oberhalb Holzhausen. Recherchen haben ergeben, dass das Bild in einer Projektarbeit von einem Dozenten mit seinen Studenten von der Weimarer Kunstschule angefertigt wurde. Es soll zirka 25.000 Mark gekostet haben. Genauere Angaben zum Maler, zur Entstehungszeit und zu Motiven waren leider nicht zu erfahren.
In den 90iger Jahren schrumpfte die Zahl der Schüler. Einige gingen auf die Hauptschule oder auf das Gymnasium. Die Schule wurde ein Teil der Boschschule Arnstadt. Die Ära des Speisesaals neigte sich dem Ende entgegen. Die Schließung erfolgte am 31.12.1997.
Nach 13 Jahren Leerstand wird nun der DDR-Zweckbau aufgepeppt. Die Baugesellschaft an der Wachsenburg mbH baut aus dem ehemaligen Schulspeisungskomplex vier Mietwohnungen. Sie sind zwischen 80 und 116 Quadratmeter groß. „Sie haben ein Luxusbad, Fußbodenheizung, Südterrassen, niedrige Heizkosten durch Solarenergie und Wärmepumpe und das alles auf einer Ebene“, erklärt Carola Busse, Geschäftsführerin der Baugruppe. Das große Wandbild, das einst den Speisesaal schmückte, wird als Dekoration und Hinkucker an der hellgrünen Vorderfassade angebracht. So bleibt ein Stückchen Geschichte und (N)ostalgie erhalten. Die „Neu-Holzhäuser“ kommen aus Arnstadt und Gotha und können ihr Domizil ab dem 1. November beziehen.
Heute gehen noch 100 Schüler von der 1. bis 4. Klasse in die Grundschule an der Wachsenburg. Einen Speisesaal gibt es nicht mehr - hungern muss jedoch keiner. Die Eltern bestellen ihren Sprösslingen via Internet das Mittagsessen und das wird per Cateringservice an die Schule geliefert. (em)
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