Auf der Suche nach dem Internet-Ich
Hast du dich schon einmal selbst gegooglet? Mein Name ruft in 0,25 Sekunden über 179.000 Ergebnisse auf. „Alles was du über Laura Gispert wissen willst“ oder „tritt bei Facebook bei, um Laura Gispert kennen zu lernen“ schreiben die ersten beiden Suchanfragen. Meine persönliche Google-Anfrage führt mich außerdem zu einigen Artikeln, die ich geschrieben habe. Ironischer weise auch zu einem Artikel, der davon handelt, dass ich jetzt aus sozialen Netzwerken ausgetreten bin. Dabei wollte ich mit dem Austritt doch meine Spuren im World Wide Web verwischen. Na toll. Mein „Egosurf“, wie man dieses Verhalten auch nennt, bringt mich ein paar Ergebnisse weiter unten auch noch zu meiner Namens-Doppelgängerin, oder heißt das dann Googlegängerin? Laura Gispert aus einer ganz anderen Ecke Deutschlands gewinnt den Wettbewerb „Jugend musiziert“ mit ihrem Kontrabass. Ha, musizieren kann ich definitiv nicht. Falls mich zukünftige Personalchefs googlen möchten: bitteschön, bin ich eben auch noch musikalisch.
Gibt man das Wort „egogoogler“ in die Suchmachine ein, erscheinen in den gleichen eingangs erwähnten 0,25 Sekunden über 72 Millionen Ergebnisse. In dem wohl größten Online-Lexikon hat der Begriff auch schon einen eigenen Eintrag und wird so erklärt: Ein Neologismus, der die Praxis bezeichnet, wenn man sich selbst in eine Suchmaschine eingibt. Als ein Grund für dieses Verhalten wird die Eitelkeit genannt. Doch was sind die Gründe dafür, dass Egogoogeln zu so einem Thema geworden ist? Jeder weiß gerne von sich, wo der eigene Name positioniert und auf was für Seiten die eigene Person aufgeführt ist. Dieter Kempf, Präsident von dem Verband der Informations- und Telekommunikationsbranche BITKOM nennt aber noch andere Gründe: „Jeder sollte wissen, was andere im Internet über ihn erfahren können, zum Beispiel vor Bewerbungsgesprächen oder bei der Aufnahme von Geschäftskontakten.“ Der Name BITKOM taucht auch nochmal in den Suchergebnissen von „egogoogler“ auf. Denn dieser Verband hat gerade die Ergebnisse einer Umfrage präsentiert, in der deutsche Internetnutzer gefragt worden sind: „Und, habt ihr euch schon mal selbst gegoogelt?“ Ehrlich gesagt hätte ich mit mehr Gleichgesinnten gerechnet. Mit mir haben sich drei Viertel der weiblichen User als Egogooglerin enttarnt. Bei den Jungs sind es noch weniger. 66 Prozent haben ihren eigenen Namen in die Suchzeilen von Yahoo und Co schon einmal eingetippt. Im Jahr 2008 hat der BITKOM Verband die Internetnutzer schon einmal befragt. Damals führten noch die Jungs mit 36 Prozent. Von den Frauen googelten sich vor drei Jahren nur 32 Prozent.
Kein Wunder, dass die Zahlen fast um das Doppelte gestiegen sind. Denn „Ego-Googeln ist Teil des eigenverantwortlichen Umgangs mit dem Internet geworden“, wie der Präsident von BITKOM schlussfolgert. Es geht eben nicht immer nur um Eitelkeit, sonder auch um das eigene Image. Was können die Eltern oder der zukünftige Chef im Internet über mich finden. Ich bin bis jetzt glücklicherweise eigenverantwortlich mit dem Internet umgegangen. Denn wenn man auf das zweite Ergebnis meiner Ego-Suche klicke, kannst du nur folgendes lesen: „keine Telefonnummer gefunden“ und „keine Brancheneinträge vorhanden“. Auch unter den elf angezeigten Bildern, bildet keins die wirkliche Laura Gispert ab. (lg)
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Kategorie: aktuelles





