Mr. and Mrs. Dax
Während alle Erwachsenen aus meiner Umgebung in letzter Zeit auf die Börse und die Wirtschaft schimpfen, ließen sich mit mir 200.000 weitere Spieler in ganz Europa nicht beirren, prüften kritisch den aktuellen Kursverlauf und hofften auf eine andauernde Hausse.
Wenn "Aktienpiraten" mit "Black Mamba" um Renditepunkte kämpfen, und sich "Mr. and Mrs. Dax" um nachhaltiges Investment bemühen, dann handelt es sich um das Planspiel Börse der Sparkassen-Finanzgruppen: Ein europaweites Wirtschaftsspiel für Schüler und Auszubildende, welches vergangenes Jahr seine 27. Runde komplettierte. Wie jedes Jahr begann das große Börsenfieber am 1. Oktober und endete am 15. Dezember, und wie immer haben alle Teams eine Menge Geld aufs Spiel gesetzt.
Angefangen hat alles 1983, als das erste bundesweite Planspiel Börse mit 4525 Spielgruppen an den Start ging. Seitdem hat sich viel verändert. Mit dem Euro öffneten sich die Spielgrenzen nach Europa, technisch hat es sich stets mit dem Aktienmarkt entwickelt. Die Spielregeln jedoch bleiben immer gleich: Jedes Team erhält ein Wertpapier-Depot im Internet mit einem fiktiven Startkapital von 50.000 Euro. Es gilt diese Summe möglichst zu erhöhen, durch clevere Käufe und Verkäufe. Online werden dann die Kauf- und Verkaufsanträge abgesendet. Zweimal täglich wird zu den realen Kursen abgerechnet. Gehandelt wird an den Börsenplätzen Frankfurt, Paris, Madrid, Mailand, Wien und London. In Stuttgart wickelt ein Zentralcomputer der Börsenspielzentrale die Abrechnungen ab, ermittelt die Depotstände der einzelnen Spielgruppen und ihre Gesamtplatzierung im Spielverlauf. Gewonnen hat, wer am Ende das meiste Kapital im Depot hat.
Beim letzten Spiel wurde vor allem auf eines Wert gelegt, denn ein weltweiter Trend hat eingesetzt: nachhaltiges Handeln. Nachhaltig bedeutet beispielsweise, verantwortungsbewusst mit Rohstoffen umzugehen. Man handelt jedoch auch nachhaltig, wenn man mit dem Fahrrad zu Arbeit fährt, oder neben der Schule ehrenamtlich in einer öffentlichen Einrichtung mithilft. Wer beim Planspiel zusätzlich vorrangig bei Unternehmen Geld anlegte, welche auf ökologische, ethische und soziale Aspekte achten, konnte extra punkten. Anleger können mit ihrem Geld also direkt Einfluss auf die Tätigkeit von Firmen nehmen; sei es ob umweltfreundliche Produkte hergestellt werden oder Kinderzwangsarbeit vermieden wird. Jeder der beim Planspiel Börse mitwirkte, kennt sich danach mit den Finanzmärkten und dem Aktienhandel aus, und das ist schon viel wert, denn "Wirtschaft" als Schulfach bundesweit wurde noch nicht erreicht. Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft wäre das aber wichtig, denn vor allem junge Menschen müssen sich mehr mit Themen wie Altersvorsorge, Geldanlage und Vermögensaufbau beschäftigen.
John Maynard Keynes hat einmal gesagt: "Es gibt nichts, was so verheerend ist, wie ein rationales Anlageverhalten in einer irrationalen Welt." Mein Team und ich haben das Planspiel zwar nicht gewonnen, aber was soll`s? Dadurch haben wir nicht nur gelernt, wie es ist, zu den Verlierern zu gehören, sondern auch was Votalität, Baisse und diverse andere Fachbegriffe bedeuten. Vielleicht macht uns das zu sozialeren Wesen, als jene die noch immer über die Krise jammern.
Text: Melanie Straub





