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27.07.2010 15:56 Alter: 2 yrs

Mein elektronisches Hausaufgabenheft


Am Erfurter Königing-Luise Gymnasium gehen Schüler und Lehrerein des Englisch-Leistungskurses in der Abiturstufe neue, moderne und multimediale Wege. Per Mail versendet die Lehrerein Hausaufgaben, unter anderem so genannte Listenings, die etwa eine Wettervorhersage des BBC zum Anhören beinhalten, und beantwortet auf diesem Weg auch noch bis zum späten Abend Fragen der Schüler. Die anfänglichen, zumeist technischen Probleme sind nun überwunden und Schüler und Lehrerin haben sozusagen elektronisch zusammengefunden. Ein Beispiel, dass im wahrsten Sinne des Wortes „Schule“ machen sollte, denn im Alltag einer Hochschule haben Mail, Internet & Co. längst Einzug gehalten, weiß Kursteilnehmerin und WiYou-Juniorredakteurin Annemarie Walter:

Wieder einmal drehten sich die Gespräche im Leistungskurs um das Englischabitur, das in weniger als vier Monaten ansteht. Das letzte Halbjahr hatte begonnen und langsam aber sicher wurden alle nervös. „Also haben wir einen schriftlichen Teil und ein Listening?“, fragten mehrere. Die Lehrerin bestätigte und sogleich wurde wild durcheinander gerufen: „Aber wir haben doch im letzten Halbjahr gar keine Höraufgaben mehr gemacht!“ „Ich kann das überhaupt nicht mehr!“ Nach wenigen Minuten stand der Wunsch fest: Bitte wieder Listenings, am besten aus dem Abitur. Aber diesmal ohne zusätzliche Aufgaben, die vor und nach dem Hören gelöst werden müssen, so dass man sich ganz auf das Eigentliche konzentrieren kann. Seitdem wird jede Woche gemeinsam im Kurs etwas aus alten Abituren bearbeitet. Vielen wurde damit die Angst vor der Prüfung genommen, denn die Abiture werden, zumindest was den Hörteil angeht, für relativ einfach befunden. Oft waren die Listenings, die die Schüler sich in der elften Klasse gegenseitig als wöchentliche Hausaufgabe geschickt hatten, viel schwerer gewesen - obwohl jeder sie zu Hause so oft wie er wollte anhören, zwischendurch anhalten oder zurückspulen konnte.

 

Noch vor anderthalb Jahren hätten die meisten große Probleme mit den Abituraufgaben gehabt. Für manche wäre das vielleicht noch immer so, wenn sie nicht regelmäßig Mails erhalten hätten, die wieder und wieder an die Schularbeiten erinnerten. Bach gibt zu: „Wir haben uns wirklich ganz schön aufgeregt damals, es hatte keiner Lust, immer erreichbar zu sein.“ Joan ergänzt: "Außerdem war es einfach schwierig, wenn man keinen vernünftigen Internetzugang hatte. Da war das Erledigen der Hausaufgaben manchmal eine echte Herausforderung." Inzwischen haben alle sich arrangiert und einiges wird anders gesehen. Denn genauso, wie die Schüler jederzeit Mails erhalten konnten, hatten sie die Möglichkeit, welche zu schicken. Egal worum es ging, die Lehrerin antwortete immer am selben Tag. Tizian kann sich Englischhausaufgaben ohne Mails gar nicht mehr vorstellen: „Es ist praktisch, wenn man alles nochmal zugeschickt bekommt, ich habe mich daran gewöhnt.“ Joan stellt fest: „Es war auf jeden Fall anstrengend, nochmal und nochmal dran erinnert zu werden, dass noch Hausaufgaben anstehen. Man war gezwungen, auch zu Hause was zu machen, da führte kein Weg dran vorbei. Aber das war gleichzeitig das Gute daran, ich jedenfalls habe so eine Menge gelernt.“

 

Die Fortschritte kann die Lehrerin bestätigen. „Wenn ich zurück zu den Anfängen in der elften Klasse schaue, erkenne ich meinen Kurs kaum wieder“, meint sie lächelnd. Ob der ständige Kontakt per E-Mail dazu beigetragen hat? Sie denkt schon. „Mir war es vor allem wichtig, sie auf das Studium vorzubereiten. Die modernen Medien werden immer bedeutender, an der Uni kommunizieren die Professoren hauptsächlich via Mail mit den Studenten.“ Nach einer kurzen Pause setzt sie hinzu: “Wobei diese die Aufgaben wahrscheinlich nur einmal schicken werden.“

 

Text: Annemarie Walter

Kategorie: Dein Engagement




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