JKJ – Eine Juniorenfirma wird zehn
Zehn Jahre – bei manchen Unternehmen verstreicht ein solches Jubiläum unbeachtet. Die meisten jedoch feiern es. Denn es zeugt von Durchhaltevermögen, Kraft und nicht zuletzt dem richtigen Riecher für eine Geschäftsidee. Gerade in Zeiten der Rezession und des Fachkräftemangels sind zehn Jahre durchaus keine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht, wenn es sich um eine Schülerfirma handelt, denn da hat es die Unternehmung zusätzlich mit kontinuierlicher Fluktuation des gesamten Mitarbeiterstabes zu tun. Nahezu jedes Jahr wird eine neue Klassenstufe mit den Projekten betraut. Und so verwundert es denn auch nicht, dass die Juniorenfirma „Juniorenkaufleute Jena e.V.“ ihr zehnjähriges Bestehen ordentlich feiert.
Alles begann eigentlich schon viel eher. Fachpraktischer Unterricht heißt das Schlagwort. Acht Stunden in der Woche sind dafür vorgesehen. Und jede Schule muss sich Gedanken machen, wie sie diese Zeit sinnvoll füllt. Bereits im Jahr 1994 richtete die Karl-Volkmar-Stoy-Schule in Jena, ein Berufsschulzentrum für Wirtschaft und Verwaltung, deswegen ein Lernbüro ein, um für ihre Schüler einen Praxisbezug zu schaffen. Hier konnten betriebswirtschaftliche und verwaltungstechnische Abläufe simuliert und erlernt werden. Dennoch reichte das nicht aus – es fehlte die Realität in der Praxis. So versuchte die Schule, mit Hilfe der Stadt und Unternehmen aus der Region eine Firma mit richtigem GmbH-Charakter zu gründen. Das schlug allerdings fehl - neue Wege mussten her.
So gründete die Schule unter der heutigen stellvertretenden Direktorin Edda Schwermer einen Verein, der die Juniorenfirma trägt. Und dann konnte es losgehen. Das erste Projekt war der Verkauf von Büroartikeln und Pausensnacks in einem dafür eingerichteten Verkaufsstand. Und von da an ging es stetig bergauf. Immer neue Ideen wurden umgesetzt und damit immer neue Dienstleistungen angeboten. Heute befindet sich die Firma großflächig in den „Kellerräumen“ des Schulgebäudes untergebracht. Es gibt ein eigenes Bistro, ein Sekretariat und Aufenthaltsräume. Lehrer und Schüler stehen Schlange, um ihre Kopieraufträge einzureichen oder sich mit Getränken und Essen zu versorgen.
Dieses Konzept geht in vielerlei Hinsicht auf. War bei der GmbH-Idee damals noch einer der Hauptgründe für den Fehlschlag, dass die Juniorenfirma eine zu große Konkurrenz für die umliegenden Unternehmen mit gleicher Ausrichtung, wie Copyshops oder den Bäcker um die Ecke sei, hilft genau das der regionalen Wirtschaft. Alle Artikel, die durch die Juniorenfirma umgesetzt werden, beziehen sie aus der Region. Es gibt Rahmenverträge mit Bäckern und Büroartikellieferanten, die die Juniorenfirma beliefern. Auf der anderen Seite bekommen die Schüler durch ihre Arbeit einen direkten Einblick in die Praxis eines Unternehmens. Das geht los bei der Eingliederung in das Team, über Waren- und Lagerwirtschaft bis hin zur Auftragsabwicklung und Buchhaltung. Dabei übernimmt jeder über einen gewissen Zeitraum – meist sind es sechs Wochen – jede Position. Das schult jeden Einzelnen auf allen Gebieten und zeigt Stärken und Schwächen auf. So können auch Neigungen herausgearbeitet werden, die später bei der Jobwahl helfen.
Mit ihrem Konzept ist die Juniorenfirma die erste gewesen, die das an einer Berufsbildenden Schule durchführt. Andere Schulen Thüringens kamen daraufhin, um sich die Firma anzusehen und folgten schließlich diesem Beispiel. Und dass die „Juniorenkaufleute Jena“ beispielgebend sind, zeigen nicht zuletzt auch die verschiedenen Preise, die sie im Laufe der Jahre auf Junioren- und Schülerfirmenmessen bekommen haben.
Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Bei der praktischen Arbeit gehören auch Fehler Dazu. Die können allerdings nicht wie damals im Lernbüro einfach ad acta gelegt, sondern müssen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten analysiert und behoben werden. So kam es beispielsweise erst kürzlich vor, wie Frau Schwermer sich erinnert, dass bei der Bestellung von A3-Papier eine Null zuviel angegeben wurde. Damit saß die Firma auf 10.000 Blatt Papier, die wohl auch die nächsten zehn Jahre gereicht hätten. So musste sich mit dem Lieferanten in Verbindung gesetzt werden, Verhandlungen wurden geführt bis das Papier schließlich zurückgenommen wurde. „Die Schüler müssen hier aus sich rauskommen. Tatsächliche Probleme und Fehler die auftreten, müssen geklärt werden“, so Frau Schwermer.
Solltest du dir die Stoy-Schule in Jena ausgesucht haben, um dort deine Ausbildung beziehungsweise deine Fachhochschulreife zu machen, dann wirst du zwangsläufig nicht um die Teilnahme bei der Juniorenfirma herumkommen. Bereits im ersten Schuljahr bekommst du die ersten Einblicke in die Firma, lernst aber im Großen und Ganzen noch die Theorie. Am Ende des Jahres wirst du dich dann bewerben. Und zwar für den Bereich, in dem du zuerst arbeiten möchtest. Dann heißt es für dich – ran an die Buletten, zumindest wenn die auf dem Tagesplan stehen und für deine Kundschaft zu erwerben sind.
Die meisten Kunden kommen übrigens aus der eigenen Schule. Aber auch externe Auftragnehmer gilt es zu bedienen. Dazu gehören Kopieraufträge oder auch mal die Ausstattung mit Häppchen bei einer Verbandsveranstaltung. Und damit wird natürlich Geld erwirtschaftet. Das fließt teilweise wieder zurück in die Firma, wird aber auch für Klassenfeiern und solche Veranstaltungen wie die zum zehnjährigen Bestehen ausgegeben. Die Stoy-Schule lud ihre Partnerschule aus Pilsen ein und sorgt am gesamten Tag für die Versorgung. Darüber hinaus bekommen allerdings auch diejenigen Schüler am Jahresende Prämien, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan haben. A propos Auszeichnung – am Ende der Juniorenfirmenkarriere bekommt jeder Schüler ein Zertifikat, aus dem die Teilnahme an der Firma hervorgeht. Das macht sich letztlich sehr gut in einer Bewerbungsmappe und bringt vielleicht das ein oder andere positive Pünktchen bei der Jobsuche. (rw)
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