Ein Kochbuchverlag voller Achtklässler
Maria ist gerade 13 Jahre. Neben ihrem „Hauptberuf“ Schülerin ist sie die Cheffin eines kleinen Unternehmens mit weiteren acht Angestellten. Sie leitet die Schülerfirma NoKoPro in der Novalisschule in Bad Tennstedt.
Maria ist gerade 13 Jahre. Neben ihrem „Hauptberuf“ Schülerin ist sie die Cheffin eines kleinen Unternehmens mit weiteren acht Angestellten. Sie leitet die Schülerfirma NoKoPro in der Novalisschule in Bad Tennstedt. Ihre Mitstreiter sind natürlich nicht von ihr angestellt, machen das alles freiwillig neben der Schule und heißen Alicia, Lisa, Tommy L., Tommy K., Viktoria, Sarah, Lisa und Elisabeth. Ausgesprochen heißt der Firmenname übrigens „Novalis Kochbuch Produktion“.
NoKoPro gibt es jetzt bereits seit einem Jahr. Bereits zu Beginn der siebten Klasse fanden sich die neun Schüler auf Grund der Anregung ihrer Deutschlehrerin Frau Hein-Awick zusammen und überlegten, wie sie mit einer Schülerfirma ein interessantes Projekt schaffen konnten. Heute sind die Mini-Unternehmer in der achten Klasse und schon vollkommen in die Abläufe von NoKoPro integriert. Nicht ohne Stolz blicken sie auf ein gutes Stück geschaffter Arbeit zurück. Wie jeden Dienstag seit dem vergangenen Schuljahr finden sie sich in der siebten Stunde in ihrem „Besprechungsraum“ ein. Das ist ein Klassenzimmer, wo sie ihre Freizeit für die Schülerfirma verbringen. Nur dass sie heute sozusagen ihre erste Pressekonferenz geben, statt weiter an ihrem Projekt zu arbeiten. Als Pressesprecherin des Unternehmens erklärte federführend Elisabeth gegenüber WiYou die Idee und deren Verwirklichung.
Die Idee, das ist die Produktion eines eigenen Kochbuches. Dazu konzipierten die neun am Anfang Flyer, die sie verteilten, um Rezepte der Leute aus dem Umkreis ihrer Schule zu sammeln. Aus den darauf folgenden mehr als einhundert Rezepteinsendungen wählten die künftigen Verleger insgesamt einhundert aus, die sie jetzt als Buch zusammenfassen. Die meisten der Rezepte sind Familienrezepte der Region, die so vielleicht schon seit Generationen weitergegeben wurden. Mit der Bündelung der Rezepte hoffen die Schüler auf rege Abnahme in der Bevölkerung rund um Bad Tennstedt. Aber alles nach und nach, denn bis das Kochbuch verkauft werden kann, muss es schließlich erst fertig produziert werden.
Alle Arbeitsschritte und Produktionsschritte führen die Schüler dabei selbst durch. Es gibt, wie eingangs erwähnt, auch richtige Unternehmensstrukturen, mit Cheffin und Stellvertreter und Marketingleitung. Mit einem Augenzwinkern allerdings wies Frau Hein-Awick darauf hin, dass die noch nicht so genau eingehalten werden. Derzeit kümmern sich alle um alles. Zunächst wurden die Rezepte in den Computer eingegeben, die beste Designform überlegt und schließlich in ein einheitliches Layout gebracht. Viel Zeit brauchte außerdem die Gestaltung des Einbandes. Dafür wurden A3-große Aquarellblätter mittels sogenannter Guaschfarbe eingefärbt, anschließend in die richtige Größe geschnitten und danach einzeln laminiert. So bekommt später jedes Buch seine individuelle Umrahmung.
Die meisten der Vorbereitungen sind jetzt abgeschlossen. Derzeit geht es an den Druck der Seiten. Dafür greift das Team auf die Technik der Schule zurück. Für die erste Auflage sind einhundert Exemplare geplant. Das heißt 10.000 Seiten auf Tintenstrahldruckern ausdrucken, mit den Covern versehen und dann mittels Ringbindung zu einem Gesamtwerk verschmelzen. Weil das äußerst Zeitintensiv ist, verwenden die Schüler ganze zwei Tage ihrer kommenden Herbstferien darauf, das Projekt abzuschließen, und das freiwillig.
Dann endlich kommen die Kochbücher in den Verkauf. Die vorweihnachtliche Zeit haben sie sich dafür auserkoren. Gerade als Geschenk, so glauben sie, lässt sich das Kochbuch am Besten verwenden. Sollte die Nachfrage dann so groß sein, dass die Auflage vergriffen ist, wollen die neun Unternehmer je nach Bedarf nachdrucken.
Wenn alles erfolgreich verläuft, das heißt, die Bücher alle verkauft sind, wollen die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer das eingenommene Geld direkt investieren, um eine neue Firmenidee zu verwirklichen. Sie wollen einen Brennofen kaufen und in die Produktion von Tongefäßen und –figuren einsteigen. (rw)





